Nudelmesse-Schild Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters
Bild: smarties / CC BY-SA

Freitags um 10 Uhr könnt ihr in Templin im Landkreis Uckermark ein Credo der anderen Art hören. Pastafari bekennen ihren Glauben an das World Wide Web, den Propheten Bobby Henderson und das Fliegende Spaghettimonster, kurz FSM. Die Anhänger des FSM feiern die Nudelmesse und parodieren die Huldigung einer Gottheit, indem sie im „Monster Unser“ einen Ball aus Spaghetti und Fleischbällchen mit Nudeltentakeln preisen und um tägliche Pasta, sowie um die Vergebung für das Verspeisen von Reiskugeln bitten. Dabei tragen die Pastafari, so nennen sie sich, Piratenkleidung, trinken Bier und essen den Leib des FSM in Form von Spaghetti. Für Ihre Rechte und die Gleichstellung mit anderen Kirchen standen die Pastafari sogar schon vor Gericht und sind bereit bis vor den Europäischen Gerichtshof zu gehen.

Moment mal. Fliegendes Spagetthimonster? OK, ein bisschen mehr Aufklärung zur Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V. und zum Rechtsstreit über ein Schild in Templin.

Beweise mir, dass es das Fliegende Spaghettimonster nicht gibt!

Die Pastafari glauben nicht wirklich an ein Spaghettimonster, ihr Ziel ist viel mehr die Förderung wissenschaftlicher Weltanschauung. Sie möchten auf die Nichtbeweisbarkeit einer Gottheit hinweisen. Eine Argumentation vieler Gläubige ist, dass man die Nicht-Existenz einer Gottheit nicht beweisen kann. Pastafari antworten damit, dass die Existenz eines fliegenden Spaghettimonsters ebenso nicht auszuschließen sei.

Wer ist der Prophet Bobby Henderson

Als den Forderungen der Kreationisten in Kansas, USA 2005 stattgegeben wurde, in naturwissenschaftlichem Unterricht parallel zur Evolutionslehre auch die Schöpfungsgeschichte als alternative Theorie zu lehren, schrieb der junge Physiker Bobby Henderson einen Brief, in dem er forderte, dann bitte auch zu lehren, dass ein fliegendes Spaghettimonster die Welt erschaffen habe. Der Brief wurde im Internet rasant verbreitet und heute gibt es tausende Pastafaris weltweit.

Warum die Piraten? Wie wurde die Welt erschaffen? Gibt es die Erdanziehungskraft wirklich? Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Wir stammen von den Piraten ab und teilen mit ihnen mehr DNA als mit Affen. Die geringe Anzahl an Piraten auf der Welt ist Schuld, dass sich die Erde erwärmt. Als es noch mehr Piraten gab, gab es auch keine globale Erwärmung.

Die Welt wurde von dem Fliegenden Spaghettimonster erschaffen. Das Spaghettimonster rief den Urknall hervor, nachdem es betrunken aus dem Bett fiel und es einen riesigen Wumms machte. Es möchte uns durch von ihm gestreute Hinweise auf die Evolution verwirren.

Die Erdanziehungskraft gibt es nicht. Es gibt nur die Erdanpressung, bei der das Fliegende Spaghettimonster alles mit seinen nudeligen Anhängseln zu Boden drückt.

Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod. Gläubigen stehen im Nudelparadies ein Biervulkan und eine Stripperfabrik zur Verfügung.

Wo dein Schild hängt, möchte ich auch meines hängen

Die Pastafari möchten provozieren, wenn nötig vor Gericht. Bei einer der gerichtlichen Auseinandersetzungen geht es um Schilder, die zur sogenannten Nudelmesse freitags um 10 Uhr einladen. Die Straßenschilder hingen an Pfosten an den Ortseingängen Templins in Brandenburg direkt unter den Informationen zu christlichen Gottesdiensten. Das Anbringen der Tafeln war von der Straßenmeisterei genehmigt, aber die Schilder gefielen nicht jedem und ein Gerichtsurteil des Landgerichts in Frankfurt an der Oder zwang die Pastafari, ihre Schilder wieder abzuhängen. Die Masten seien von den anderen Kirchen selbst finanziert und die Genehmigung der Stadtmeisterei ungültig.

Die Mitglieder der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V. wollten sich nicht geschlagen geben und forderten, eigene Masten finanzieren zu dürfen. Sie trugen ihren Fall in zweiter Distanz dem Oberlandesgericht vor. Die Richterin urteilte, dass die Kirche des FSM keine Weltanschauungsgemeinschaft sei und damit nicht das Recht auf eigene Masten für ihre Schilder hätte. Nun schmücken die Einladungen zur Messe zwar mit Genehmigung des Bürgermeisters stadteigene Pfosten, aber den Pastafari genügt das nicht. Sie fordern Gleichstellung mit den anderen organisierten Religionen und gehen, wenn es sein muss, bis vor den Europäischen Gerichtshof.

Gleiche Rechte für das Monster!

Doch warum genügt es den Anhängern der Kirche des FSM nicht, ihre Hinweistafeln zur Nudelmesse auf städtischen Masten zu präsentieren? Für die Pastafari ist die Aktion und ihre Kirche mehr als nur Klamauk. Der eingetragene Verein Kirche des Spaghettimonsters e.V. kritisiert die Privilegien, die die Kirche genießt und möchte diese aufzeigen. Die Nudelliebhaber hinterfragen mit der Forderung eines eigenen Mastes die Sonderstellung der Kirchen. Der Rechtsstreit trug die Nachricht der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters weit über die Grenzen Templins hinaus.

Doch es bleibt nicht bei den Masten. Der Vorsitzende der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Rüdiger Weide erklärt, dass es keinerlei Sonderstellungen für Kirchen geben darf. Seien es die Masten, der Religionsunterricht oder die Kopfbedeckungen auf Personalausweisen für Religionsanhänger. Er fordert, dass jede Weltanschauung der Kirche gleichgestellt werden müsse. Da dies jeglichen Rahmen sprengen würde, dürfe eben keine Gruppierung Privilegien erhalten. Pastafari weltweit deuten auf die Sonderregelungen für Kirchen und deren Gläubige, indem sie die Privilegien ins Lächerliche ziehen. Sie möchten z.B. auf offiziellen Dokumenten Piratenmützen oder Nudelsiebe tragen dürfen und viele haben das Recht erhalten.

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