Sammlung Prinzhorn Heidelberg
Bild: August Natterer / Public domain

Bei der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg handelt es sich um eine Kunstausstellung wie ihr sie vermutlich noch nie gesehen habt. Zu sehen sind nämlich keine Werke weltberühmter Maler, sondern Exponate von Patienten psychiatrischer Anstalten. Sie stammen aus Schweizer, deutschen und österreichischen Kliniken und spiegeln die einzigartigen Persönlichkeiten psychisch Kranker.

Die Geschichte der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg

Die einzigartige Ausstellung ist nach ihrem Initiator bekannt. Der im Jahr 1886 im westfälischen Homer geborene Hans Prinzhorn studierte nach seinem Abitur in Thüringen Philosophie und Kunstgeschichte. Seine Arbeit bei einem Militärchirurgen während des ersten Weltkrieges motivierte ihn dazu, Medizin in Heidelberg zu studieren. Als Assistent von Karl Wilmans war er nach der Promotion an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg mit dem Archiv von Kunstwerken betraut, die Patienten während ihres Aufenthalts anfertigten. Für sein Buch „Bildnerei der Geisteskranken“, das 1922 erschien, verwendete Prinzhorn zahlreiche Beispiele aus der Sammlung.

Die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg befindet sich seit 2001 an ihrem jetzigen Standort. Sie befindet sich in historischem Ambiente in einem ehemaligen Hörsaal des Instituts für Neurologie auf dem Gelände der alten Universitätsklinik in Heidelberg.

Die Werte in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg

Die rund 6.000 Aquarelle, Zeichnungen, Skulpturen und Texte, die in der Sammlung Prinzhorn zu sehen sind, schufen psychisch Kranke in den Jahren von 1840 bis 1945. Einige der bekannten Künstler sind Paul Goesch, Emma Hauch, August Klett und Else Blankenhorn. Die meisten von ihnen hatten nie zuvor eine künstlerische Ausbildung genossen. Von den 435 Patienten, die regelmäßig in verschiedenen Anstalten im deutschsprachigen Raum malten, waren nur rund 80 Frauen. Zum überwiegenden Teil befanden sie sich wegen der Diagnose „Schizophrenie“ in psychiatrischer Behandlung.

Sammlung Prinzhorn Heidelberg
Bild: Emma Hauck (1878–1920) / Public domain
Sammlung Prinzhorn Heidelberg
Bild: August Natterer / Public domain
Sammlung Prinzhorn Heidelberg
Bild: August Natterer / Public domain

Ganz unterschiedliche Motive flossen in die Entstehung der Kunstwerke ein: Die Patienten griffen sowohl autobiografische Themen auf, drückten ihre Gefühle der Krankheit gegenüber aus oder verarbeiteten Szenen aus dem Anstaltsleben.

Wechselnde Ausstellung in der Sammlung Prinzhorn

Da die Sammlung seit 1980 laufend mit neuen Werken erweitert wird, zeigt das Museum pro Jahr drei bis vier Wechselausstellungen. Nach einem ausgiebigen Rundgang durch die Sammlung lohnt sich der Besuch des Museumscafés. Es wurde durch eine einzigartige Crowdfunding Aktion finanziert. An einer Seite des Lokals informieren Grafiken der Künstlerin Julia Kuhl über die Geschichte der Sammlung Prinzhorn.

Adresse

Voßstraße 2, 69115 Heidelberg

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