Mengenlehreuhr Berlin Uhr
Bild: Fred Romero from Paris, France / CC BY

Die Berlin-Uhr, 1975 konstruiert, entwickelte sich mit ihren bunten Lichtern schnell zu einem Hassobjekt unter Berliner Schülerinnen und Schülern, die im Mathematikunterricht Mengenlehre lernen sollten. Gleichzeitig fungierte das bunte Lichtertreiben am ersten Standort, dem Ku’damm zu einem der berühmten Weltzeituhr am Berliner Alexanderplatz in Westberlin. Doch was genau war eigentlich die Funktion dieses kuriosen Stücks Berliner Stadtgeschichte?

Gerade wurde die Mengenlehre, teils unter großem Protest der Elternschaft, in die Lehrpläne der Schulen aufgenommen. Nach dem sogenannten Sputnikschock wollte der Westen schnell seine technischen Kompetenzen entwickeln, damit die Sowjets ihren Vorsprung verlören. Das nahm der Weddinger Tüftler Dieter Binninger zum Anlass, Mengenlehre in einem attraktiven Format mit bunten Glühbirnen mithilfe der Mengenlehre die aktuelle Uhrzeit darzustellen. Mit ihren sieben Metern Höhe auf dem Kurfürstendamm platziert schaffte es das Stück schnell ins Guinessbuch der Rekorde, hatte aber einen entscheidenden Mangel. Ihre Glühbirnen gaben wegen der vielen Erschütterungen auf der Verkehrsader im Westen der Stadt sehr viel schneller den Geist auf, als die üblichen 1.000-Stunden Birnen der Zeit.

Binninger-Birnen revolutionierten den Standard

Weil auch die Birnen-Größen der Zeit, Philips und Osram keine länger haltenden Birnen liefern konnten und auch die Verkehrsampeln nicht mit besseren Stücken ausgestattet waren, nahm der Erfinder das Problem selbst in die Hand. Er experimentierte mit Edelgasgefüllten Birnen und einem Chip im Sockel. Letztlich gelang ihm die Konstruktion einer Birne, die 150.000 Stunden Lebensdauer versprach und nach Angaben des Tüftlers eigentlich unsterblich war. Zuerst wurde das Modell in Berliner Ampeln von der Bewag getestet und entwickelte sich dann zu einem Standard in diesem Bereich.

Serienproduktion mit Anlaufschwierigkeiten

Mengenlehreuhr Berlin Uhr
Bild: Muritatis / Public domain

Binninger hatte sich vorgenommen, den Markt mit Glühbirnen aufzuwirbeln und startete einen Feldzug gegen die Hersteller der 1.000-Stunden Birnen Osram und Philips. Diese ließen den Angriff allerdings nicht auf sich sitzen und blockierten mit allen Mitteln den Start der Serienproduktion in Berlin. Am Ende gelang es dem Tüftler dennoch, seine Fabrik zum Laufen zu bringen. 1991 erweiterte der Weddinger Erfinder seine Produktionskapazitäten mit dem Kauf der Glühbirnenfabrik von Narva in Ost-Berlin. Doch erfreuen konnte er sich an diesem rasanten Wachstum nicht mehr. Eine Woche nach Vertragsunterzeichnung starb er beim Absturz seines Flugzeuges in Helmstedt.

Wie liest man die Uhrzeit auf der Mengellehreuhr / Berlin-Uhr?

Die obere beiden Reihen, bestehend aus jeweils 4 roten Lichtern, zeigen die Stunden an, wobei ein Licht in der obersten Reihe für 5 Stunden und ein Licht in der zweiten Reihe für 1 Stunde steht. Brennt als 1 rotes Licht in der ersten Reihe und 2 rote Lichter in der zweiten Reihe, ist 5 + 2 = 7 Uhr.

Die beiden unteren Reihen zeigen die Minuten an. Ein Licht in der dritte Reihe steht für 5 Minuten, und ein Licht in der 4 Reihe steht für 1 Minute. Brennen also 3 Lichter in der dritten Reihe und 2 Lichter in den vierten Reihe, sind wir bei Minute (3×5) + 2 = 17.

Das runde Licht ganz oben pulsiert im Sekundentakt.

Hier nun ein Beispiel:

Es brennen zwei Lichter in der ersten Reihe (10 Stunden), drei Lichter in der zweiten Reihe (3 Stunden), vier Lichter in der vierten Reihe (20 Minuten) und ein Licht in der letzten Reihe (1 Minute). Es ist also 10 Stunden + 3 Stunden + 20 Minuten + 1 Minuten = 13:21 Uhr

Was wurde aus der Mengenlehreuhr?

Nach ihrem Verkauf an die Stadt wurde dieser bald der Betrieb zu teuer und das Exemplar am Ku’damm wurde 1995 außer Betrieb genommen. Ein Jahr später brachten sie Geschäftsleute der Stadt allerdings hinter dem Europa-Center wieder zum Leuchten. Fortan wurden ihre Birnen von Mitarbeitern des Shopping-Centers gewartet und die Uhr zeigte wieder mit ihren bunten Lichtern Sekunden, Minuten und Stunden lediglich mit farbigen Feldern an.

Auch die Produktion der kleinen Schreibtischmodelle der Uhr, die der Entwickler selbst einst in Serie fertigen ließ, kam wieder in Gang. Bei Kindermann aus Rudow baute man Standmodelle für den Schreibtisch und Variationen als Wanduhr von dem kuriosen Konstrukt.

Adresse

Budapester Str. 5, 10787 Berlin

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