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Die Paternoster-Aufzüge in Berlin

Ein ewiges auf und ab für die letzten Paternoster der Hauptstadt

Wo kann man in Berlin noch Paternoster fahren? Der Personen-Umlaufzug, wie der Paternoster korrekt heißt, ist eine besondere Aufzugform im ständigen Umlaufbetrieb. Der Paternoster besteht normalerweise aus mehreren Einzelkabinen für maximal zwei Personen, die parallel an zwei Ketten hängen.

Wenn die Kabinen die Endpunkte einer Kette erreicht haben, werden sie über große Scheiben in den zweiten Aufzugschacht umgesetzt. Diese Form des Antriebs erinnert an den Rosenkranz, den gläubige Katholiken im Gebet endlos durch die Finger gleiten lassen. Das Gebet, das dabei gesprochen wird, ist das „Vater unser“ – lateinisch „paternoster“. So kam diese besondere Aufzugform zu Ihrem Namen.

Der Personen-Umlaufaufzug: Seit 1886 in Deutschland

Die Ursprünge des Paternosters finden sich bereits im Jahre 1876. Damals wurden in England Sackaufzüge für Pakete mit umlaufenden Behältern entwickelt. Die Technik war damals schon den heutigen Paternosteraufzügen sehr ähnlich, basierte aber noch auf einem Dampfantrieb. Zwischen 1882 und 1884 wurde die Idee zur Nutzung als Personenaufzug von der Firma J. E. Hall umgesetzt.

Ab 1886 war der erste Paternoster in Deutschland im Dovenhof in Hamburg in Betrieb. Hier wurden erstmals parallel angeordnete Umlaufketten verwendet. Bis in die 60er Jahre hinein fand sich der höchste Paternoster der Welt in Deutschland. Zunächst im Kölner Hansahochhaus und später dann im Tagblatt-Turm in Stuttgart.

Paternoster-Aufzüge in Berlin

Paternoster Berlin
Paternoster im Bundesministerium der Finanzen (Detlev-Rohwedder-Haus, Wilhelmstraße 97 / Leipziger Straße in Berlin) – Bild: Photo: Andreas Praefcke, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons (cropped)

In Berlin gibt es heute noch Paternoster-Aufzüge an circa 25 Standorten, teilweise mit mehreren Anlagen. Sogar im Bundestag gibt es einen Paternoster!

Leider sind die meisten Paternoster in Berlin jedoch nicht für das breite Publikum zugänglich. Viele der Paternoster befinden sich in öffentlichen Verwaltungs- oder privaten Bürogebäuden, und sind nur für Mitarbeiter gedacht. Doch an einigen Orten kann auch heute noch jeder Paternoster fahren.

Nachfolgende findet ihr eine Liste mit allen öffentlichen (und eventuell öffentlichen) Paternoster-Aufzügen in Berlin:

Achtung: Es ist teilweise recht schwierig, zuverlässige Informationen zu finden – oft stößt man auf gegensätzliche Aussagen. Bitte betrachtet die Angaben also mit Vorsicht, ich kann für die Richtigkeit leider keine Gewähr übernehmen. Sicher ist jedoch: Die nicht öffentlichen Paternoster sind tatsächlich nicht öffentlich. Wer diese benutzen möchte, muss jemanden kennen, der an diesen Orte arbeitet!

Öffentlich zugängliche Paternoster in Berlin

  • Bürohaus Franz-Mehring-Platz 1 nahe Ostbahnhof: In Betrieb unter der Woche von ca. 9 Uhr bis 18 Uhr, kein Betrieb während der Schulferien
  • HTW, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin: Ostendstraße 1 in Berlin-Oberschöneweide, auf dem Campus Wilhelminenhof, H-Gebäude, Peter-Behrens-Bau (NAG-Gebäude)
  • Gebäude Kleiststr. 23–26 am Wittenbergplatz, Paternoster über 8 Stockwerke mit 18 Kabinen. Umlaufzeit insgesamt ca. 3:52 Minuten (im Haus befinden sind die Zentrale der CDU-Berlin, die Schule für Tourismus, die Botschaft von Argentinien und eine Augenklinik – für die Patienten ist die Benutzung des Paternosters verboten!)

Eventuell öffentlich zugängliche Paternoster in Berlin

  • Stasi-Zentrale: Campus für Demokratie: Zwei Anlagen, eine davon wohl öffentlich zugänglich. Adresse: BStU, Haus 7, Ruschestraße 103, 10365 Berlin Lichtenberg
  • Senatsverwaltungen für Finanzen: Öffentlich zugänglich oder nur für Mitarbeiter?
  • Senatsverwaltung für Wirtschaft: Öffentlich zugänglich oder nur für Mitarbeiter? Adresse: Martin-Luther-Str. 105, 10825 Berlin
  • Rathaus Schöneberg: Öffentlich zugänglich aber seit Oktober2017 wohl außer Betrieb
  • Verkehrslenkung Berlin in der Gothaer Str. Auch hier ist es nicht klar ob öffentlich zugänglich oder nur für Mitarbeiter
  • Polizeigebäude in der Gothaer Str. 19. Selbes Gebäude? Selber Aufzug wie die „Verkehrslenkung Berlin“?
  • Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: im Gebäude in der Krausenstraße, nicht öffentlich zugänglich, aber wohl Besuch nach Voranmeldung möglich

Nicht öffentlich zugängliche Paternoster in Berlin

  • Axel-Springer-Hochhaus (der höchste Paternoster Europas, 2 Anlagen über 20 Stockwerke, aber nur für Mitarbeiter)
  • Deutscher Bundestag: Gebäude Luisenstraße 35, leider nur für Angestellte
  • Auswärtiges Amt: 7 Paternoster, aber nur für Mitarbeiter)
  • Gebäude Kurfürstendamm 57,10707 Berlin: Nur für Mieter
  • Agentur für Arbeit, Liegenschaft Lichtenberg-Gotlindestraße Haus 1, Aufgang B. Anlage voll funktionstüchtig, aber stillgelegt nach Inspektion, Kabinen und Schacht sind mit Gipskartonwand versteckt worden.
  • Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin Brandenburg, Friedrichstraße 34. Ein Paternoster über 5 Stockwerke, allerdings stillgelegt, Schacht und Kabinen wurde „zugemauert“ (hoffentlich war keiner mehr drin)
  • Bundesministerium der Finanzen: drei Anlagen im nicht-öffentlichen Bereich
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: Jägerstraße, jedoch nur für Mitarbeiter
  • Verwaltungsgebäude der Deutsche Bahn AG Ruschestraße 104 (reserviert für Mitarbeiter)
  • Verwaltungsgebäude des Kraftwerks Klingenberg
  • Bayer AG an der Müllerstraße 174)
  • SOLON SE: Verwaltungsgebäude, Am Studio 16, 12489 Berlin
  • Haus des Rundfunks: 2 Paternoster-Anlagen für die Mitarbeiter
  • Stasi-Zentrale: Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße: Zwei Anlagen, wohl selten in Betrieb. Adresse: Haus 1, Ruschestraße 103, 10365 Berlin
  • Siemens: Siemensdamm 50, 2 Anlage über 11 Stockwerke; Siemensdamm 62; Nonnendammallee 101 – Aufzüge an den drei Standorten nur für Mitarbeiter
  • Hauptverwaltung der Deutsche Rentenversicherung Bund (ausschließlich nur für Mitarbeiter)

Was passiert eigentlich, wenn man nicht aussteigt?

Paternoster Animation Funktionsweise
Bild: RokerHRO, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Gerüchte halten sich hartnäckig: wer den Ausstieg vor dem Wendepunkt in einem Paternoster verpasst, der fährt auf der anderen Seite kopfüber hinunter. Mancher möchte deswegen keinen Paternoster benutzen.

Dieser moderne Mythos wurde auch schon im Fernsehen für eine Folge von „Verstehen Sie Spaß?“ genutzt. Er entspricht aber nicht der Wahrheit. Ihr könnt ganz unbekümmert über den Wendepunkt hinausfahren.

Die Kabinen werden nur umgesetzt, aber dabei nicht umgedreht. Theoretisch ist so eine gemächliche, unendlich dauernde Rundfahrt möglich.

Das Ende der Paternoster

Der größte Vorteil des Paternosters ist seine ständige Verfügbarkeit. Da er durchgehend betrieben wird, kann man ohne Wartezeit zwischen den Stockwerken hin- und herwechseln.

Allerdings überwiegen aus sicherheitstechnischen Aspekten die Nachteile. Das geringe Umlauftempo von etwa 0,2 – 0,4 Metern pro Sekunde und das Verbot von Lastentransporten sind nur kleine Unannehmlichkeiten.

Ein großes Problem ist aber die erhöhte Sturzgefahr. Ungeübte Nutzer brauchen beim Ein- und Ausstieg viel Konzentration und müssen den richtigen Zeitpunkt abpassen. Die Kabinen sind zudem nicht behindertengerecht und für Rollstuhlfahrer praktisch nicht nutzbar.

Auch der Brandschutz nach modernen Maßstäben ist bei Paternostern nicht möglich. Ein Feuer kann sich durch das Aufzugsystem leicht über mehrere Stockwerke verbreiten.

Aus diesen Gründen wurde der Einbau von Paternostern in Westdeutschland bereits 1974 verboten. In Ostdeutschland wurde der letzte Paternoster 1982 errichtet. Bestehende Anlagen dürfen allerdings nach neuesten technischen Standards weiter betrieben werden.

In Deutschland gibt es noch über 200 aktive Paternosteraufzüge, die aber nicht alle öffentlich zugänglich sind.

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Roman Kugge Deutschland mal anders

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