Marx-Engels-Forum Berlin
Bild: Fred Romero from Paris, France / CC BY

Im vergessenen Gedenken

Laut tönen die Stimmen der Stadtführer, die auf den vorbeituckernden Ausflugsdampfern auf der Spree ihr historisches Wissen über Berlin preisgeben. Lärm umliegender Baustellen erinnert uns an das Wachstum und den stetigen Wandel, den diese Stadt seit geraumer Zeit durchlebt. Von der Lebendigkeit und Veränderung, die die umliegenden Szenarien prägen, versprüht das vergessen wirkende Marx-Engels-Forum kaum etwas. Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist dieser Ort einen Besuch wert.

Von DDR-Propaganda zu Selfie-Kulisse

Einst diente die Grünfläche mit dem Denkmal der beiden Philosophen zwischen Spree und Fernsehturm als Propaganda-Objekt der DDR. Heute dienen die Statuen von Karl Marx und Friedrich Engels in der Mitte des Forums hauptsächlich als Selfie-Kulisse, wenn nicht gerade ein Saufgelage einer Gruppe von Obdachlosen rund um das Denkmal stattfindet. Die gedanklichen Väter des Kommunismus durchleben aktuell keine einfachen Zeiten auf ihrem Sockel in Mitte: Aufgrund der Verlängerung der U-Bahnlinie 5 mussten die beiden kürzlich ihren alten Platz räumen und an eine andere Stelle des Platzes versetzt werden.

Peter Ramsauer, damals Bauminister, wollte die beiden sogar auf die sozialistische Resterampe nach Friedrichsfelde verlegen. Die Zukunft der “Grünanlage”, die streng genommen eine “rote” ist, bleibt derzeit noch offen. Doch lange werden Karl und Friedrich wohl auch nicht mehr dem Wandel trotzen können, verschiedene Planungen existieren schon.

34 Jahre an der Spandauer Straße

In Anbetracht der ungewissen Zukunft sollten Interessierte nicht mehr allzu lang mit einer Besichtigung warten. Trotz der leicht verwahrlosten Anlage und der inmitten des städtischen Bauwahns irgendwie deplatziert wirkenden Statue der beiden alten Herren ist das Marx-Engels-Forum ein echtes Relikt aus DDR-Zeiten, das schon 1986 eingeweiht wurde. Wie Marx und Engels wohl über das berichten würden, was sie dort in den vergangenen 34 Jahren erlebt haben?

Adresse

Karl-Liebknecht-Str., 10178 Berlin

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