Otto-Lilienthal-Denkmal Der Fall Daidalos und Ikaros Berlin
Bild: Jochen Teufel / CC BY-SA

Mit der originellen Statue „Der Fall Daidalos und Ikaros“ wollte die Stadt Berlin einem der größten Pioniere der Luftfahrt ein Denkmal setzen. Doch nun liegt der arme Mann würdelos am Flughafen Berlin-Tegel im Dreck am Boden.

Der Mann

Er ist der wohl wichtigste Pionier der Luftfahrtgeschichte und gilt als erster Mensch, der sich jemals mit einem Fluggerät in die Lüfte schwang. Der 25 Meter weite spektakuläre Gleitflug gelang 1891 von einem Hügel nahe Berlin. Sein Name: Karl Wilhelm Otto Lilienthal.

Seine Flugapparate, wie man die Gleitflugzeuge damals etwas sperrig betitelte, sind in den wichtigsten Luftfahrt- und Technikmuseen der Welt bis heute zu bestaunen.

Auch den Gebrüder Wright, die als Väter des Motorflugs bezeichnet werden, gelangen die ersten Hüpfer in den Sanddünen bei Kitty Hawk im Bundesstaat Ohio 1903 nur dank seiner jahrelangen Vorarbeit und seiner intensiven aerodynamischen Studien.

Doch während die Amerikaner die Wright-Brüder von Beginn an als Helden verehrten, in den USA kennt jedes Schulkind ihre Namen, hielten sich die Deutschen mit der Begeisterung für Lilienthal lange zurück.

Die Skulptur

Erst 1988, fast 100 Jahre nach Lilienthals Pionierleistung, erhielt der Berliner Flughafen Tegel den Beinamen Otto Lilienthal.

Schon drei Jahre zuvor war eine Lilienthal nachempfundene Bronzestatue vor dem Terminal D am Boden abgelegt worden. Nur wenigen Besuchern des Airports fällt der mit ausgebreiteten daliegende Mann in Fliegerkluft überhaupt auf.

Die von Rolf Scholz geschaffene und „Der Fall Daidalos und Ikaros“ betitelte Skulptur ist auch kaum wahrnehmbar. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zu den Stehtischen des Schnellrestaurants „Ess-Bahn“, einem ausrangierten Berliner S-Bahn-Wagen.

Häufig von Servietten und Currywurstresten umgeben, fristet Lilienthal dort ein würdeloses Dasein.

Wohl kaum jemand weiß, wer da vor ihnen am Boden liegt. Und doch ist es diesem Pionier zu verdanken, dass wir heute so selbstverständlich und in kürzester Zeit nahezu jeden Flecken auf diesem Planeten erreichen können.

Fast könnte es Symbolcharakter für das tragische Ende des Flugpioniers: Am 9. August 1896 stürzte Lilienthal am Gollenberg bei Stölln aus 15 Metern Höhe ab und verletze sich dabei so schwer, dass er einen Tag später in der Berliner Universitätsklinik starb. „Opfer müssen gebracht werden“, sollen seine letzten Worte gewesen sein.

Am 31. Oktober wird die letzte Linienmaschine nach 60 Jahren Betrieb vom Otto Lilienthal-Airport abheben. Der neue Hauptstadtflughafen trägt den Namen des ehemaligen Bundeskanzlers und SPD-Politikers Willy Brandt.

Bleibt also abzuwarten, was mit dem gestrandeten Lilienthal nun passiert.

Adresse: Wo kann ich den „Der Fall Daidalos und Ikaros“ sehen?

Die Skulptur könnt ihr euch im Flughafen Berlin-Tegel anschauen.

Weiteres Otto-Lilienthal-Denkmal in Berlin

Fliegeberg Otto Lilienthal Denkmal Gedenkstätte
Bild: Colin Smith, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Wer sich für die Geschichte des Flugpioniers interessiert, sollte sich unbedingt auch den Fliegeberg (ebenfalls in Berlin) anschauen. Dabei handelt es sich um einen Hügel, der von Lilienthal selbst aufgeschüttet wurde, und von dem er zahlreiche seiner Testflüge gestartet hat.

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