Standseilbahn Stuttgart
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Das nostalgische Überbleibsel aus dem Jahr 1929 ist den Stuttgartern ans Herz gewachsen und wurde mit liebevoll-ironischen Beinamen wie „Erbschleicherbahn“ oder „Lustige-Witwen-Express“ versehen – denn die Standseilbahn in der baden-württembergischen Landeshauptstadt führt vom Südheimer Platz im Stadtteil Heslach hinauf bis zum Degerlocher Waldfriedhof. Obwohl die Standseilbahn eine echte Rarität im städtischen Leben darstellt, dient sich vorwiegend dem öffentlichen Personenverkehr und wird kaum von Touristen angesteuert. Eine gute Gelegenheit also, um eine echte Attraktion abseits der üblichen Besucherpfade zu entdecken.

Geschichte der Stuttgarter Standseilbahn

Mit der Eröffnung des auf einer Anhöhe gelegenen Waldfriedhofs im Jahr 1914 war der Bau der Seilbahn von Anfang an miteingeplant, da das Gelände recht abgelegen liegt und nur schwer erreichbar war. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelte den Plan zunächst und es gab stattdessen die Omnibuslinie „W“, die zu dem Friedhof führte. 1928/29 wurde die Bahn dann schließlich doch noch von der Maschinenfabrik Esslingen verwirklicht. Die Wagen mit der Nummerierung 1 und 2 wurden außen aus Teakholz und innen aus Mahagoniholz gefertigt und bieten zusätzlich zum Klappsitz des Fahrers 22 Sitzplätze und 58 Stehplätze.

Das heute besonders nostalgisch anmutende Erscheinungsbild der Seilbahn entsprach bereits zur Zeit seiner Entstehung nicht der neusten Mode – vermutlich wurde diese bereits damals veraltete Holzbauweise gewählt, damit die Bahn zeitlos wirkt. Je einer der beiden Wagen befindet sich am Ende eines 550 Meter langen Stahlseils. So fahren sie auf unterschiedlichen Schienen immer jeweils in die entgegengesetzte Richtung. Dank halbautomatischer Technik, war von Anfang an kein Bedienpersonal nötig, sondern lediglich die zwei Wagenführer, die seit der Einführung der Fahrkartenautomaten in den 1970er Jahren auch als Schaffner fungieren.

Die Standseilbahn heute

Während zu Zeiten der aktiven Nutzung des Friedhofs noch ganze Trauergesellschaften mitsamt Kränzen und Sarg mit der Bahn hinaufbefördert wurden, nutzen heute vor allem Pendler das außergewöhnliche Verkehrsmittel. Diese können oben am Friedhof parken und dann entspannt mit der Seilbahn in die Innenstadt gelangen. Dabei werden 85 Höhenmeter überwunden. Die Fahrt dauert eta 4 Minuten. Auch Ausflügler gleiten gerne fast geräuschlos den Hügel hinauf – bezaubernd ist dabei vor allem der Kontrast aus trubeliger Innenstadt und der Idylle des Waldes, den man durchquert.

Die Seilbahn bildet auch einen Teil des Spazierganges über den „Blaustrümplerweg“, der etliche Sehenswürdigkeiten passiert. Auch die Bahn selbst sowie der Friedhof gehören zu diesen. Auf dem Friedhof, durch den sich kurvige Waldwege schlängeln, fanden etliche lokale Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte. Unter ihnen sind der Bundespräsident Theodor Heuss, der Tenor Wolfgang Windgassen, Stuttgarts legendärer Bürgermeister Arnulf Klett oder der Kaufhauskönig Eduard Breuninger.

Standseilbahn Stuttgart
Bild: Enslin

Wechselvolle Geschichte der Stuttgarter Attraktion

Nicht nur der Erste Weltkrieg, auch die Weltwirtschaftskrise 1929 hätte den Bau fast verhindert, denn diese brach nur kurze Zeit nach der Eröffnung aus. Und auch später stand die beliebte Bahn schon mehrfach fast vor dem Aus. Vor allem die neuen EU-Richtlinien nach der Brandkatastrophe der Gletscherbahn Kaprun 2 hätten fast zur Schließung geführt. Doch dank umfangreicher Modernisierung im Jahr 2004 – die die Originaloptik jedoch nicht veränderte – kann das Stuttgarter Bähnle weiterhin betrieben werden.

Adresse: Wo liegen die Stationen?

Die untere Station der Stuttgarter Standseilbahn liegt am Südheimer Platz, 70199 Stuttgart. Von dort aus geht es hoch zum Waldfriedhof.

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