Kongresshalle Nürnberg
Bild: Fred Romerao, Flickr, Creative Commons


Auf den ersten Blick erinnert es sofort an ein anderes weltberühmtes Gebäude: Das Kolosseum in Rom. Die Ähnlichkeit ist nicht zufällig, wie des Öfteren orientiert sich hier die Architektur der Nazi-Zeit an der des alten Roms. Mit dem Unterschied, dass die Kongresshalle das Kolosseum in allem übertreffen wollte. Das unfertige Gebäude befindet sich auf dem Reichparteitagsgelände in der fränkischen Stadt Nürnberg, die auch als eine der Nazi Hochburgen galt und in der jedes Jahr die nationalen Reichsparteitage der Nazis stattfanden.

Was aber ist nun so besonders an dem „nachgemachten Kolosseum“?

Das Gebäude sollte ursprünglich 70 Meter hoch werden und um die 50.000 Menschen beherbergen können. Dabei sollten über 40.000 Menschen im Hauptsaal unterkommen, der sich hufeisenförmig von einem langen Säulengang umschließen lassen sollte. Das Herzstück des Gebäudes sollte das freitragende Dach werden – eine Steinkonstruktion mit 170 Metern Spannweite. Konstruiert wurde es von den Nürnberger Architekten Ludwig und Franz Ruff.

Insgesamt sollte das Gebäude so groß werden, dass die Gesamtfläche mehr als 72.000 m² betragen hätte. Baustart war im Jahre 1935, fertiggestellt werden sollte das Gebäude 20 Jahre später, nämlich 1955. Vollendet wurde es nie. Nur 39 Meter der geplanten 70 Meter wurden gebaut. Man kann heute nicht mehr genau sagen, wie die Kongresshalle hätte aussehen sollen, denn alle Akten gingen nach Ende des Krieges verloren. So muss man sich auf die Aussagen der beteiligten Architekten berufen.

Eine schreckliche Baustelle

Für ein solches Unternehmen braucht man hunderte Arbeiter und unglaublich viel Material. Seit 1940, also 5 Jahre nach Baubeginn, wurden hier Gefangene der Nazis zum Bau eingesetzt und mussten unter schlimmsten Bedingungen arbeiten. Auch das Material kam zum größten Teil aus den Steinbrüchen, in denen Gefangene aus KZ-Lagern arbeiten mussten. Zudem wurden die veranschlagten Kosten weit überschritten. Mit anfänglich geplanten 25 Millionen Reichsmark konnten gerade so die Granitblöcke bezahlt werden (ca. 20 Millionen Reichsmark). Die Kosten hatten sich schon verzehnfacht, als der Bau 1943 eingestellt wurde. Laut heutigen Angaben hätte das Gebäude wie geplant nicht einmal fertiggestellt werden können.

Das Problem: Ein freitragendes Flachdach aus Stein ist auch mit modernen Materialien und Techniken nicht realisierbar. Das Material wäre viel zu schwer gewesen und das Dach wäre einfach eingestürzt und hätte viele Menschen in den Tod gerissen.

Wie wird das Kongresszentrum nun genutzt?

Nach Ende des Krieges wurde überlegt, was mit diesem riesigen Gebäude passieren soll. Die erste Nutzung nach dem Krieg war für die deutsche Bauausstellung 1949. Hier wollte man Perspektiven für den Wiederaufbau aufzeigen. Weitere fragliche Ausstellungen, wie zum Beispiel das Anpreisen von Granitblöcken im Granitumgang des Kongresszentrums mit dem Motto: „Granit für die Ewigkeit“ oder die Ausstellung „900 Jahre Nürnberg“, die die finstere Vergangenheit der letzten Jahre einfach ignorierte, fanden hier statt. Auch Pläne für ein Fußballstadion, ein Massenquartier, sowie für ein Freizeitzentrum mit Disco und Geschäften kamen auf. Lange wurde es dann aber als Lagerhalle vermietet.

Heute hat die Dauerausstellung des Dokuzentrums einen großen Teil des Gebäudes eingenommen und auch die Nürnberger Symphoniker nutzen einen Teil des Gebäudes für ihre Musik und als Quartier.

Adresse

Bayernstraße 100, 90471 Nürnberg

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here