Glienicker Brücke Berlin
Bild: Ungry Young Man, Flickr, Creative Commons

Die Glienicker Brücke, auch als „Bridge of Spies“ oder „Spionenbrücke“ bezeichnet, stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahre 1907 und ist die 4. Brücke an dieser Stelle. Sie überspannt die Havel, wobei sie Berlin-Wannsee mit Potsdam verbindet. Zu DDR-Zeiten befand sich hier die Grenze zwischen Potsdam auf DDR-Seite und West-Berlin auf BRD-Boden und war für den gewöhnlichen Personenverkehr gesperrt. Bereits am Tag nach dem Mauerfall 1989 wurde sie für alle wieder geöffnet. Heute ist die Glienicker Brücke Teil der Bundesstraße 1 und ein beliebtes Touristenziel.

Ihren Bekanntheitsgrad hat sie vor allem aufgrund der drei historischen Agentenaustausch-Aktionen während des Kalten Krieges; daher auch der Beiname „Bridge of Spies“ oder „Agentenbrücke“.

Lage

Glienicker Brücke Berlin

Inmitten einer vom preußischen Gartengestalter Lenné und dem preußischen Baumeister Schinkel erschaffenen Parklandschaft liegt im Südwesten Berlins – am Zusammentreff mit Brandenburgs Hauptstadt Potsdam – die Glienicker Brücke. So hart die Bezeichnung „Bridge of Spies“ klingt, so schön ist die Aussicht, die euch hier geboten wird: Schloss Babelsberg und Schloss Glienicke, Parkanlagen, Seen, Hügel, Havel sowie die Sacrower Heilandskirche. Im Norden befindet sich der Jungfernsee mit zwei Badestellen und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. Im Süden liegt der Glienicker See mit dem Anfang des Teltow-Kanals.

Geschichte

Die Brücke ist mit einer langen und spannenden Geschichte behaftet, ohne die sie sicherlich heute keine derartige Attraktivität besäße. Bereits um das Jahr 1660 herum wurde hier eine schmale Holzbrücke für den Adel errichtet. Kaum 100 Jahre später diente sie als Poststrecke zwischen Potsdam und Berlin. 1777 wurde – wegen des hohen Verkehrsaufkommens, den es auch damals schon gab – eine neue Zugbrücke aus Holz mit Geländer und Wachhäusern errichtet. Zur Finanzierung der feudalen Berlin-Potsdamer-Chaussée existierte Ende des 18. Jahrhunderts der erste offizielle Kontrollpunkt, das Chausséegeld-Einnehmerhäuschen.

1831 begann man nebenan eine Ziegelsteinbrücke zu bauen. Mit Eröffnung des Teltowkanals 1906 sowie des beginnenden Motorverkehrs kam der Wunsch nach einer neuen Brücke auf. Die alte wurde abgerissen und bereits 1907 konnte die heutige für den Verkehr freigegeben werden. Sie erhielt den Namen „Kaiser-Wilhelm-Brücke“. 1937 wurde die Brücke verbreitert und angehoben, Ende April 1945 durch sowjetischen Beschuss teilweise zerstört.

Nach Kriegsende entstand neben der demolierten Brücke eine behelfsmäßige Holzkonstruktion. Der Wiederaufbau des Originals begann, die Eröffnung erfolgte 1949. Eine Umbenennung in „Brücke der Einheit“ wurde beschlossen und ein Grenzstrich in der Brückenmitte gezogen.

Ab 1952 war die Brücke für West-Leute nur mit Sondergenehmigung passierbar. DDR-Bürger wurden bis 1961 kontrolliert. Angehörige bestimmter Ostländer durften sie ab 1962 überqueren.

In der Zeit zwischen 1962 und 1986 fanden drei Agenten-Austauschaktionen auf der Brücke statt. Aus Sicherheitsgründen wurde 1984 die reparaturbedürftige Brücke gesperrt, bis der West-Berliner Senat die Reparaturkosten übernahm.

Aussehen

Über Schönheit lässt sich bekanntermaßen streiten, und so sind bezüglich der Brücke Äußerungen wie „wunderschönes Bauwerk“ aber auch „plumpe Eisenkonstruktion“ zu hören. Fakt ist, die als „Fachwerkbrücke“ bezeichnete Eisen-Stahlkonstruktion besitzt aktuell eine Gesamtlänge von 128 Metern sowie eine Breite von 22 Metern. Die Durchfahrthöhe misst rund 5,50 Meter. An den jeweiligen Enden könnt ihr interessante Steinfiguren bestaunen.

In der Mitte war einst der Grenzverlauf zwischen West- und Ostdeutschland mit einem weißen Grenzstrich markiert. Heute erinnern hier ein Metallband sowie eine braune Gedächtnistafel auf Potsdamer Seite an die Ost-West-Geschichte Deutschlands. Auch anhand der Brücken-Farbgebung – auf Berliner Seite ein dunkleres Grün als auf der Potsdamer Seite – sind Ost- und Westseite unterscheidbar.

Besonderheiten

Wenn Metall und Stein erzählen könnten, hätte die Glienicker Brücke viel zu berichten. Neben der bereits erwähnten Agentenaustauschs-Geschichte sowie den historischen Bau- und Grenzerlebnissen gibt es zahlreiche persönliche Schicksale, die mit dieser Brücke verbunden sind. Zwei erwähnenswerte Ereignisse seien an dieser Stelle noch genannt:

Am 11. März 1988 gelang hier drei Flüchtlingen gegen 2 Uhr Nachts die Flucht vom Osten in den Westen mit einem gestohlenen LKW.

Im November 2014 entstand rund um die Brücke ein Szenario mit Stacheldraht und Schlagbäumen: Der berühmte Hollywood-Regisseur Steven Spielberg ließ den Agententhriller „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ drehen, der sich an dem Agentenaustausch von Francis Gary Powers gegen Rudolf Abel orientierte.

Adresse: Wo liegt die Brücke?

Glienicker Brücke, Königstraße, 14467 Berlin

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