Eisbachwelle München
Bild: Zxb / CC BY-SA

Mitten in München im Englischen Garten befindet sich ein Hotspot des Riversurfens, die Eisbachwelle im Eisbach. Die rauschende, Gischt spritzende Welle zieht neben Surfern, die hier waghalsige Kunststücke vorführen, vor allem die Einheimischen und Touristen an. Diese stehen beim Haus der Kunst auf der kleinen Brücke an der Prinzregentenstraße und am Ufer des Eisbachs und schauen mit einem Weißbier oder Eis in der Hand dem Treiben der Wasserakrobaten zu. Die Eisbachwelle mit seinen tollkühnen Surfern gehört heute zu den Sightseeing-Tipps in den München-Reiseführern.

Die beliebte Surfwelle liegt im Süden des Englischen Gartens, kurz nachdem der insgesamt 2,8 Kilometer lange Eisbach aus dem Untergrund zutage tritt. Das von Menschenhand angelegte Gewässer ist ein Abzweig der Isar, fließt den größten Teil seines Laufes parallel zu ihr und mündet auch wieder in ihr. Seinen Ursprung verdankt der Eisbach dem Gartenbaumeister Friedrich Ludwig von Sckell, der um 1789 im Englischen Garten ein ganzes System an künstlich geschaffenen Wasserläufen anlegen ließ.

Die Ursprünge der Eisbachwelle

Es ist noch nicht lange möglich im Zentrum der bayrischen Landeshauptstadt auf einem Board eine bis zu eineinhalb Meter hohe Flusswelle zureiten. Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Eisbach nur sehr eingeschränkt surfbar. Zuvor gab es eine durch eine Steinstufe erzeugte Welle, die aber nur bei idealem Wetter für wenige Tage im Jahr die Ausübung des Wassersports erlaubte. Erst in den 1980er Jahren sorgte ein Münchner namens Walter Strasser illegal für eine erste dauerhaft surfbare Welle im Eisbach. Dazu montierte er im seitlichen Flussbett einfache Hilfsmittel, wie Holzbretter und eine Eisenbahnschwelle, um die Strömung des Eisbachs zu verändern. Der Surfsport war hier offiziell nicht erlaubt. Nur im vergleichsweise ruhigeren Wasser im Floßkanal an der Floßlände im Münchner Stadtteil Thalkirchen duldete man das Surfen. Doch auch Verbote halfen nicht, die Anziehungskraft der Eiswelle zu mindern. Stetig erhöhte sich die Anzahl der Riversurfer in der Isarmetropole. Schließlich organisierten sich die Surfer der Eisbachwelle in der Interessensgemeinschaft Surfen München (IGSM e. V.), um für die Legalisierung zu kämpfen.

Eisbachwelle München
Bild: Daderot / Public domain

Im Sommer 2010 war es endlich soweit. Die Stadt München erlaubte offiziell die Sportausübung auf der Eisbachwelle ausschließlich für Geübte und auf eigene Gefahr. Nun heißt es das ganze Jahr „Let’s go surfing“ auf dem Eisbach, außer zur jährlichen Bachauskehr. Dann wird der Wasserpegel gesenkt und der Bach für zwei Wochen von Ablagerungen und Müll befreit, auch um die Verletzungsgefahr für die Surfer zu vermindern. Zudem wird der Zustand von Böschungen, Mauern und anderen Bauwerken kontrolliert und repariert.

Nur für Surfprofis

Die Eisbachwelle ist nichts für Anfänger und ungeübte Surfer. Im Eisbach erzeugt eine Steinstufe bei der Prinzregentenstraße im Wasser die Kraft für die Bildung einer Welle. Doch damit genug Energie zum Aufbau einer hohen surfbaren Welle entsteht, liegen im Bachbett in mehreren Reihen Störsteine. Ungeübte können sich bei Stürzen leicht an diesen Hindernissen verletzen. Selbst für die besten Surfprofis ist die berühmteste stehende Flusswelle der Welt eine Herausforderung. Anfänger sollten stattdessen das ruhigere Wasser an der Floßlände in Thalkirchen nutzen, wo sich auch Kanuten und Kajakfahrer in der Strömung tummeln.

Eisbachwelle München
Die kleine Eisbachwelle – Bild: Tobin, Flickr, Creative Commons

Auch wenn man im Sommer am Eisbach einen anderen Eindruck gewinnen könnte, Baden und Schwimmen ist hier strengstens verboten. Die unberechenbaren schnellen Strömungen, die Fließgeschwindigkeit von im Schnitt 27 Kubikmetern pro Sekunde, das kalte Wasser und gefährliche Hindernisse im Bach können tödlich sein und haben schon einigen Menschen das Leben gekostet. Auch die sogenannte „kleine Eisbachwelle“ – eine zweite Welle, etwas weiter entfernt – ist genauso gefährlich.

Wer mehr über die Surfer der Eisbachwelle und deren spannende Geschichte erfahren will, dem sei der 2009 entstandene Dokumentarfilm Keep Surfing von Björn Richie Lob ans Herz gelegt. Der Film erzählt in beeindruckenden Aufnahmen von den Wegbereitern, Vorkämpfern und Surfsüchtigen, von denen heute einige zur internationalen Surferszene gehören.

Adresse

Prinzregentenstraße, 80538 München

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