Schädel Klaus Störtebeker
Bild: Michail Jungierek / CC BY-SA

Diese Ausstellung beweist Köpfchen: Der Piraten-Schädel im Museum für Hamburgische Geschichte

Sie gehört zu einer der beliebtesten Sagen Deutschlands: die Erzählung um Klaus Störtebeker und seine Vitalienbrüder. Zahlreiche Bücher, Filme und Bühnenstücke thematisieren das Leben, das Wirken und vor allem den spektakulären Tod des Piratenkapitäns. Doch wie real war das Geschehen um den posthum verklärten Seefahrer? Eine Antwort darauf will das Museum für Hamburgische Geschichte haben…

Ein Fund wie viele andere

Hier ist sein geraumer Zeit ein Schädel ausgestellt, der dem legendärem Freibeuter gehört haben soll. Er wurde 1878 auf dem Grasbrook entdeckt, einer sumpfigen Insel vor den Toren Hamburgs. Zur angeblichen Lebzeit Störtebekers hatte sie eine Richtstätte beherbergt, auf der ausschließlich Piraten enthauptet worden waren. Ihre abgeschlagenen Köpfe pflegte der Henker auf Pfähle zu spießen und diese gut sichtbar am Ufer des Grasbrooks aufzustellen.

Der ins Museum gebrachte Schädel war demnach nicht der einzige, den findige Arbeiter beim Erschließen der Insel bargen. Doch er wirkte adrett genug, um ihn als historisches Zeitdokument zu präsentieren. An den Fund eines außergewöhnlichen Exemplars glaubte damals niemand. Der Schädel war einer von vielen und konnte von jedem der über 400 Gerichteten stammen. Dafür, dass er einem der sogenannten Likedeeler oder gar ihrem Anführer gehört haben könnte, gab es keine Anhaltspunkte.

Aus Nichts wird etwas ganz Großes

Schädel Klaus Störtebeker
Bild: Michail Jungierek / CC BY-SA

Erst gute 200 Jahre später befasste sich die Museumsleitung genauer mit dem Fund. Ausschlaggebend war ausgerechnet etwas, das gar nicht da war: das Loch, durch das der Nagel getrieben worden war, welcher den Schädel auf dem Pfahl fixiert hatte. Es war nach Erkenntnis von Experten sorgfältig geweitet worden – ganz so, als wollte der Henker ausgerechnet diese Gebeine vor schnellem Verfall bewahren. Sie mussten einem ganz besonderen Menschen gehört haben und dafür kam der Überlieferung nach nur einer in Frage. Die Legende vom Störtebeker-Schädel war geboren.

Sie war jedoch ebenso wenig haltbar wie die zu Grunde liegende Vita des Freibeuters. Hinzugezogene DNA-Experten aus Kanada konnten die Echtheit der Knochen weder bestätigen noch widerlegen. Ihnen fehlte es schlicht an Vergleichsmaterial, denn der berühmte Seefahrer hat keine verwertbaren Spuren in der Geschichte hinterlassen. Obwohl er verheiratet gewesen sein soll, gibt es keine bekannten Nachkommen, an denen sich Forscher orientieren könnten.

Darüber hinaus belegt kein einziges Dokument, dass Störtebeker und seine Vitalienbrüder tatsächlich vor Hamburg gefangen genommen und auf dem Grasbrook hingerichtet worden sind. Im Gegenteil: Auf später datierten Schriftstücken taucht der Name in Zusammenhang mit einer Geldstrafe auf und 1413 ernannte Englands König einen gewissen Johann Stortebeker zum Kapitän einer 40-köpfigen Schiffsbesatzung.

Ohne wissenschaftlichen Beweis

Ob es sich bei dieser Person um den legendären Freibeuter bzw. sein real existierendes Vorbild handelte, ist noch nicht abschließend geklärt. Sollte es sich bestätigen, behält das Museum für Hamburgische Geschichte trotzdem Recht: Es stellt den Fund nämlich keineswegs als Störtebekers Haupt aus, sondern präsentiert ihn als Schädel eines namenlosen Piraten, auf dessen Basis plastische Gesichtszüge rekonstruiert wurden.

Dass sie den vielen nachträglich angefertigten Bildnissen des berühmten Seefahrers gleichen, mag Zufall sein – ist es vielleicht aber auch nicht…

Adresse

Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, 20355 Hamburg

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