Oberhafenkantine Hamburg
Bild: Roland.h.bueb / CC BY-SA

Ganz schön schräg isst man in der Oberhafenkantine in Hamburg. Nein, es gibt dort keine Gerichte mit irren Geschmackskombinationen. Schräg bezieht sich in diesem Fall auf das Gebäude und nicht auf das kulinarische Angebot.

Das in Schieflage geratene Backsteinhäuschen gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Hafenstadt, welche sich ein wichtiges Stück Hafentradition erhalten hat. Seit dem Jahr 2000 steht es sogar unter Denkmalschutz.

Sturmfluten überstanden und Kultstatus erreicht

Wer vor dem Gebäude der Oberhafenkantine steht, wird sich fragen, wo denn die Besonderheit dieses Objektes liegt. Die Antwort liefert ein Blick von der Seite. Das Gebäude neigt sich um 8,7 Grad nach vorne. Seit 1925 musste sich die Lokalität vielen Sturmfluten stellen, die das Wasser bis unter die Theke trieben.

Durch die Unterspülungen geriet sie in diese Schräglage, die heute mit dafür verantwortlich ist, dass die Oberhafenkantine einen regelrechten Kultstatus erlangt hat. Sogar TV-Koch Tim Mälzer war einige Zeit Pächter und überließ seiner Mutter Christa damals die Küchenherrschaft.

Ein Relikt aus alter Zeit erhält Hafentradition

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Oberhafenkantine liegt darin, dass sie die letzte Kaffeeklappe ist, die heute noch steht. Früher gehörten Kaffeeklappen ebenso wie Kantinen zum Hamburger Hafen wie der Seemann. Traditionell holten sich dort die Hafenarbeiter ihren Kaffee und die Frikadellen.

Und auch sonst erinnert hier noch vieles an die alte Zeit. Der Schankraum sieht nach einer aufwendigen Sanierung von 2005 wieder aus wie früher. Eine echte Rarität ist zudem der fußkurbelbetriebene Speisenaufzug, welcher voll funktionstüchtig ist.

Gutes Handwerk, gute Zutaten und deftige Hausmannskost

Bis 1997 war die Oberhafenkantine ein Familienbetrieb. Seit dem Tod von Kantinenwirt-Tochter Anita Haendel wechselten zwar die Betreiber, aber die Richtung wurde beibehalten. Wer hier einkehrt, den erwartet leckere Hausmannskost aus eigener Herstellung. Die Betreiber legen viel Wert auf unverarbeitete und regionale Produkte.

So wird in der Oberhafenkantine die Gemüsesuppe ohne Brühpaste oder fertiges Pulver gekocht und auch Mayonnaise oder Senf werden selber hergestellt. Letzterer ist eine Eigenkreation, die auch in einem Glas zum Mitnehmen erworben werden kann. Auf der Speisekarte stehen Leckereien wie Matjes, hamburger Weißwurst, Labskaus oder Pannfisch.

Saisonal finden sich auch Gerichte wie Aalsuppe oder Grünkohl. Ebenfalls erhältlich sind diverse Burger und Sandwiches. Für die Sandwiches wird das frisch im Haus gebackene Dinkelbrot verwendet.

Natürlich kommen auch Liebhaber von Süßspeisen auf ihre Kosten. So gibt es verschiedene Desserts, hausgemachte Tartes, hausgemachtes Sorbet und frischen Blechkuchen auf Wunsch mit Sahne. Was man in dem schrägen Restaurant jedoch vergeblich sucht sind Heißgetränke wie Latte Macchiato oder Cappuccino.

Die Betreiber verzichten scheinbar bewusst auf diese relativ neumodischen Getränke. Ein Hinweis auf der Website klingt inhaltlich nämlich in etwa so: Denn wie es sich für eine Kaffeeklappe gehört, trinkt man hier den einfachen aber dafür sehr guten Filterkaffee.

Wer in Hamburg also gute Hausmannskost in Verbindung mit Tradition und Sightseeing genießen möchte, begibt sich Richtung Hafen und kehrt in die Oberhafenkantine ein.

Adresse: Wo gerät man in Hamburg in schräglage?

Die Oberhafenkantine findet ihr in der Stockmeyerstraße 39, 20457 Hamburg. Solltet ihr dort essen ist eine Reservierung sehr empfehlenswert!

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