Dresdner Codex
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Im Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek kann ein ganz besonderes Dokument der Weltgeschichte bestaunt werden. Denn der dort ausgestellte Codex Dresdensis oder auch Dresdner Codex umfasst eine der wenigen erhaltenen Handschriften der einst in Lateinamerika ansässigen Kultur der Mayas. Dieses einmalige Erbe der menschlichen Kultur ist nur eine von vier erhaltenen Handschriften der Mayas und die Einzige, welche offen zugänglich ist.

Der aus insgesamt 39 Seiten, die beidseitig beschrieben sind, bestehende Codex enthält sowohl Bilder als auch Hieroglyphen und Zahlenzeichen und wird von Experten als Handbuch von Priestern gedeutet. Neben vielfältigen Götterabbildungen und astronomischen Tafeln beinhaltet der Dresdner Maya-Codex auch rituelle Weisungen und gilt als ein Dokument, welches maßgeblich dazu beigetragen hat die Kultur der Mayas in Teilen zu entschlüsseln und besser zu verstehen.

Aufgrund der Empfindlichkeit der aus Feigenbaumrinde bestehenden Dokumente, die ursprünglich in Form eine Leporellos gefaltet waren, wird der Dresdner Maya-Codex in einem speziellen Raum aufbewahrt, welcher ideale Bedingungen für diesen Schatz der Mayakultur bietet. Um den guten Zustand des Dokuments, von dem es noch drei weitere identische gibt, die in Madrid, Paris und Mexiko-Stadt aufbewahrt werden, zu gewährleisten, herrscht in dieser sogenannten Schatzkammer immer eine konstante Temperatur von 18 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent.

Einblicke in eine geheimnisvolle Kultur – der Dresdner Maya-Codex

Der in Dresden ausgestellte Maya-Codex gilt als der am besten erhaltene der vier identischen Dokumente die bekannt sind und wird schon seit 1876 an diesem Ort aufbewahrt. Das Besondere an diesem Dokument ist vor allem der Umfang und die Tatsache, dass es aufgrund der systematischen Vernichtung von Gegenständen, der Mayakultur durch die europäischen Eroberer, eines der ganz wenigen Zeugnisse dieser sagenumwobenen Epoche der Menschheitsgeschichte ist. Forscher aus der ganzen Welt haben sich schon mit dem Dresdner Maya-Codex und seinen Inhalten beschäftigt und konnten auf diese Weise viel über die Maya und vor allem deren Wissen über Astronomie in Erfahrung bringen.

Mit großem Erstaunen wurde zum Beispiel registriert, das Angaben zu dem Planeten Venus, die in dem Codex gemacht wurden, weitestgehend mit den Erkenntnissen, die wesentlich später mit technischen Geräten gemacht wurden, übereinstimmen. Des Weiteren beinhaltet der wohl im Zeitraum 1200 bis 1250 entstandene Codex auch Weissagungskalender, wodurch der Codex im dem von den Mayas als Weltuntergangsjahr prophezeiten Jahr 2012 besonders oft besucht wurde. Dies ist in erster Linie mit der Popularität des Themas zu dieser Zeit erklärbar, da der Dresdner Maya-Codex keine Hinweise auf einen Weltuntergang im Jahre 2012 enthält.

Wie der Dresdner Maya-Codex nach Sachsen kam

Dresdner Codex
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Den Weg, den der Dresdner Maya-Codex vor seinem Erwerb für das Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek nahm, kann nur noch teilweise rekonstruiert werden. Fest steht, dass der Maya-Codex im Jahre 1739 von Johann Christian Götze, dem Oberaufseher der Kurfürstlichen Bibliothek in Dresden von einem Wiener Privatmann erworben wurde. Wie er nach Wien gelangte, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Als gesichert gilt, dass Hernán Cortés, einer der bekanntesten Konquistadoren, die für den Niedergang der Kultur der Mayas verantwortlich waren, diese Dokumente nach Europa brachte.

Die Erkenntnis, dass es sich bei dem vorliegenden Codex um ein Relikt aus der Zeit der Mayas handelt, erlangte man erst im Jahre 1853 durch den Franzosen Charles Étienne Brasseur de Bourbourg. Einer der ersten Gelehrten, die sich mit dem Codex auseinandersetzten, war Alexander von Humboldt, der 1810 fünf Tafeln abzeichnete.

Adresse

Buchmuseum der SLUB Dresden: Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek
Zellescher Weg 18, 01069 Dresden

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