Holbeinpferd Freiburg
Bild: © Jörgens.mi

In Freiburg gibt es einen weiteren, wirklich ungewöhnlichen Ort, dessen Geschichte nicht skurriler sein könnte. Die Rede ist von dem Holbeinpferd, einer Pferdeplastik aus Beton, die durch zahlreiche, nächtliche Umgestaltungen einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Region erlangt hat. Die Skulptur steht im Freiburger Stadtteil Wiehre. Hier verläuft, parallel zur Sehenswürdigkeit, die Holbeinstraße, die 1936 Namensgeber für das Fohlen war. Erfahrt mehr über das einmalige „Kunstobjekt“ in Freiburg im Breisgau.

Das Holpeinpferdle – die Vorgeschichte

Werner Gürtner, ein Bildhauer, entwarf 1936 das bekannte Freiburger Fohlen aus Betonguss. Modell stand ihm ein echtes Fohlen. Es gehörte dem Freiburger Tierarzt Cordes. Dessen Onkel erwarb von Bildhauer Gürtner die 1,90 Meter hohe Skulptur. 1951 verkaufte Walter Cordes das Kunstwerk dem Gartenamt in Freiburg. Die Stadt hatte schnell einen geeigneten Platz für die Pferde-Skulptur gefunden. Am 28. Mai 1951 wurde das Fohlen auf dem grünen Rasen in der Holbeinstraße aufgestellt. Fortan hieß die Skulptur Holbeinpferd. Doch wie kam es, dass das Holbeinpferdle stadtbekannt wurde?

20 Jahre später, Freiburg in den 70er Jahren: Unbekannte gestalten in dunklen Nächten das Aussehen des Holbeinpferdchens immer wieder um. Die mysteriösen Umgestaltungen unterlagen grundsätzlich einem bestimmten Themenschwerpunkt. Schnell wurden Freiburger Medien auf die neue Sehenswürdigkeit aufmerksam. Sie berichteten über das nächtliche Treiben in der Holbeinstraße. Das inspirierte neue Künstler. Seither wechselt die Bemalung des Holbeinpferdes immer öfters. Heute dient das Holbeinpferd als Übermittler politischer Botschaften und Liebesschwüre. Es fungierte bereits als Einhorn, Zebra und Esel. Während der Fußball-WM trägt es das Deutschlandtrikot und im Sommer, während Radprofis in Frankreich die Berge hinauf strampeln, trägt es auch gerne mal das gelbe Trikot des Tour de France Führenden. Auch als Werbeträger für Milka, Uhu und Nivea macht die Pferdeskulptur eine gute Figur. So ist es nun seit über 50 Jahren und so wird es vermutlich auch noch lange Jahre bleiben.

Reinigungsaktionen und Restaurierungen

Die Stadt Freiburg kümmert sich von Zeit zu Zeit, um die Restaurierung der besonderen Sehenswürdigkeit. Dann wird das Hohlbeinpferd von seinem Sockel gezogen und in eine nahegelegene Werkstatt gebracht. Hier wird es zunächst von fleißigen Handwerkern von unzähligen Farbschichten befreit. Zum Schluss erhält es einen schützenden Anstrich. Die letzte Restaurierung fand im Jahr 2019 statt.

Bereits unförmig von unzähligen Farbschichten dauerten die Arbeiten an dem Fohlen deutlich länger als gedacht. Steinmetze befreiten das Holbeinpferd von 180 kg Gips, Farbe und anderen Materialien. Nach 80 Arbeitsstunden kam das Holbeinpferd zurück auf seinen angedachten Platz. Ihr könnt es euch denken: Bereits am nächsten Morgen hatten Unbekannte das Holbeinpferd bemalt. Es trug die dänische Flagge auf seinem Rücken.

Grüße vom Holbeinpferd in Freiburg

Mittlerweile verkaufen sämtliche Souvenirläden in Freiburgs Innenstadt Postkarten vom Holbeinpferd. Natürlich gibt es auch hier eine große Auswahl – denn unterschiedliche Holbeinmotive gibt es wie Sand am Meer. So fällt die Auswahl oft nicht leicht – doch ein nettes Andenken, an den Besuch in Freiburg, ist es alle Mal. Nicht selten entstehen bei Besuchen am Holbeinpferd heutzutage auch gelungene Selfies für Soziale Medien wie Facebook, Instagram und Co. Also auf nach Freiburg, worauf wartet ihr noch?

Schönheitsoperationen am Hohlbeinfohlen

Holbeinpferd Freiburg
Bild: © Jörgens.mi

Freiburgs komischste Sehenswürdigkeit ist Tag und Nacht frei zugänglich. Kommt vorbei und seid gespannt welches „Kleid“ das Holbeinpferd trägt! Aber Achtung, solltet ihr auf die Idee kommen euch künstlerisch betätigen zu wollen, lasst Vorsicht walten, denn die Bemalung gilt noch immer als Sachbeschädigung. Wer während der Kunstaktion von der Freiburger Polizei erwischt wird, muss mit einer Anzeige rechnen. Doch Fakt ist auch, die niedliche Betonfigur bekommt erst durch seine nächtlichen Umgestaltungen ihren besonderen Reiz. Übrigens, nicht nur in Freiburg im Breisgau gibt es solch kuriose Sehenswürdigkeiten. Auch in Belgiens Hauptstadt Brüssel gestalten Unbekannte ein Wahrzeichen der Stadt, das Männeken Pis, in regelmäßigen Abständen um. Worin die Begeisterung der nächtlichen Kunstaktionen liegt, können euch wohl nur die Künstler selbst berichten.

Adresse

Günterstalstraße 90, 79100 Freiburg im Breisgau

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