Molli Bahn
Bild: simon tunstall / CC BY

Eine Bahnstrecke in Deutschland, auf der sich die Reisenden nicht über mangelnde Geschwindigkeit beschweren oder über eine rumpelnde Fahrweise, kann es so etwas wirklich geben? Ja, tatsächlich und zwar in einer der schönsten und bei Urlaubern beliebtesten Regionen des Landes. Die Rede ist von der Molli-Bahn, die seit 1886 zwischen Bad Doberan, Heiligendamm und Kühlungsborn an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern unterwegs ist.

Woher kommt der Name?

Woher die Bezeichnung „Molli“ für die hochgradig nostalgische Mecklenburgische Bäderbahn stammt, ist nicht genau überliefert. Um die Entstehungsgeschichte des Namens ranken sich einige Legenden, in einer davon kommen eine in Panik geratene alte Dame und ihr vollschlanker Mops vor. Wenn man allerdings mit der Bahn unterwegs ist, erscheint einem dieser Gemächlichkeit ausdrückende Name durchaus passend. Für die gut 15 Kilometer lange Strecke benötigt die Bahn rund 40 Minuten. Es gibt sicher schnellere Wege, um von Bad Doberan nach Kühlungsborn zu gelangen, aber keine davon hat einen solchen Erlebnischarakter wie Molli.

Die schönste Art, Mecklenburg-Vorpommern kennenzulernen

Molli ist die wahrscheinlich schönste Art, um diesen Abschnitt von Mecklenburg-Vorpommern kennenzulernen. Die Reise beginnt in Bad Doberan, das mit seinem Münster in Backstein-Architektur und der historischen Altstadt einige Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat. Hier fährt die Bahn wie eine Straßenbahn mitten durch die Stadt. Außerhalb des Ortes, nachdem der Zug eine der typischen mecklenburgischen Alleen passiert hat, geht es über Felder nach Heiligendamm, dem ältesten Seebadeort Deutschlands und dann nach Kühlungsborn, wo die Strandpromenade an der Ostsee viel Platz zum Durchatmen lässt.

Molli Bahn
Bild: An-d / CC BY-SA

Jeder der Orte, die Molli ansteuert, sind für sich allein genommen schon einen Aufenthalt wert, doch die Ankunft mit der historischen Eisenbahn verleiht dem Besuch etwas besonders Stilvolles. Wer dieses Empfinden noch steigern möchte, setzt sich in den sogenannten Salonwagen, wo man während der oft etwas rumpeligen Fahrt versuchen kann, Kaffeetasse und Kuchengabel elegant zum Mund zu führen.

Nostalgiker und Eisenbahnfans lassen sich von kleinen Unannehmlichkeiten wie Kaffeeflecken auf der Hose natürlich nicht aufhalten.

Sie sind zu Recht begeistert von der alten Technik, die hier über die Schienen rattert. In der Hauptsaison ist Molli im Stundentakt mit zwei Zügen unterwegs, die beiden begegnen sich jeweils bei Heiligendamm – ein tolles Fotomotiv für alle, die sowohl Züge mögen als auch eine Kamera besitzen. Ein solcher Schnappschuss dürfte bei manch einem Modelleisenbahner im Hobbykeller hängen, denn der Anblick der beiden von Dampfloks gezogenen Eisenbahnen – übrigens der einzigen in Deutschland mit Spurweite 900 Millimeter – wirkt bei geschickter Wahl der Perspektive tatsächlich wie ein Bild vom Anfang des 19. Jahrhunderts.

Stichwort Fotomotiv: Ab und an veranstaltet die Mecklenburgische Bäderbahn besondere Fahrten mit den inzwischen eigentlich nicht mehr genutzten Güterwaggons, wobei mehrere Fotostopps auf der Strecke eingelegt werden.

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