Sender Felsberg Berus
Bild: h.kaefer / CC BY-SA

Ein Monument der Rundfunkgeschichte – der Sender Felsberg-Berus

Im Westen des Saarlandes, an der Grenze zu Frankreich, befindet sich eine der markantesten und außergewöhnlichsten Sendeanlagen Europas. Der Sender Felsberg-Berus, der nicht mehr in Betrieb ist, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken und ist dank seiner spektakulären Architektur ein einzigartiges Bauwerk. Die im Jahr 1955 in Betrieb genommene Anlage des Sender Felsberg-Berus besteht aus einem Sendemast, einem Fernmeldeturm und der sogenannten Sendehalle, die als ein architektonisches Meisterwerk gilt. Die Sendehalle, die äußerlich einer Jakobsmuschel gleicht, ist eine Spannbetonkonstruktion, die ohne Stützpfeiler auskommt, und vor allem durch das aus einem Stück bestehende Betondach, etwas Besonderes ist.

Einst war die Halle der erste Großbau, der über ein Betondach, welches von vorgespannten Seilen gehalten wird, verfügt. Dieser Umstand machte die Halle zu einem in Architektenkreisen sehr bewunderten Gebäude, welches seinen festen Platz in der Geschichte der Architektur hat. Der Bau dieser charmanten Konstruktion mit dem Flair der 1950er Jahre, war sehr aufwendig und wurde von einigen Schwierigkeiten begleitet. So stürzte ein Teil der Konstruktion während der Errichtung ein, was dazu führte, dass der verantwortliche Architekt sich aufgrund der folgenden schweren Vorwürfe das Leben nahm. Der als Erfinder des Spannbetons geltende Architekt Marie Eugène Léon Freyssinet übernahm dann den Bau und schuf schließlich ein Gebäude, dass in dieser Form einzigartig ist.

Privatradio für Frankreich – der Sender Felsberg-Berus machte es möglich

Obwohl der Sender Felsberg-Berus im zu Deutschland gehörenden Saarland steht, wurde von ihm aus nie ein deutscher Radiosender verbreitet. Dies liegt daran, dass die Anlage von dem französischen Sender Radio Monte Carlo betrieben wurde, der von dem Sender Felsberg-Berus sein Programm Europe 1 in ganz Europa und sogar Nordafrika verbreitete. Die Entscheidung den Sendemast für dieses Vorhaben auf saarländischem, später deutschem Boden zu errichten, hatte damit zu tun, dass private Radiosender in Frankreich verboten waren, weswegen ein Sendestandort außerhalb des Landes gefunden werden musste.

Um zu gewährleisten, dass die Sendeleistung ausreichend ist um Haushalte in ganz Frankreich zu erreichen, schuf man den damals stärksten Langwellensender der Welt, welcher durch eine Erdleitung direkt mit der Redaktion des Senders in Paris verbunden war. In den ersten Jahren Ihres Bestehens, sendete die Anlage des Senders Felsberg-Berus auch Fernsehen für das Saarland, weswegen auf dem Gelände auch ein Funkturm zu finden ist. Die Zeit, in der vom Sender Felsberg-Berus auch Fernsehbilder gesendet wurden, endete aber schon 1957, als das Saarland wieder ein Teil Deutschlands wurde.

Der Sender Felsberg-Berus – ein Areal mit vielen Möglichkeiten

Auch wenn der Sendebetrieb aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Radioangeboten beendet wurde, ist Bernd Gillo, der Bürgermeister der Gemeinde Überherrn, auf deren Gelände der Sender Felsberg-Berus liegt, von der Anlage überzeugt und möchte diese erhalten. Wie das Areal, welches zu bestimmten Anlässen auch interessierten Besuchern offensteht, in Zukunft genutzt werden kann ist noch nicht geklärt. Da es sich aber um ein architektonisch einmaliges Gebäudeensemble mit sehr viel Potenzial handelt, ist man in Überherrn optimistisch eine Lösung zu finden, um den Sender Felsberg-Berus dauerhaft zu nutzen und so ein Baumonument von besonderer Güte mit neuem Leben zu erfüllen.

Adresse

Felsberg, 66802 Überherrn

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