Funkturm Berlin
Bild: KK nationsonline / CC BY-SA


Aus dem Messegelände, im Bezirk Charlottenburg im Westen Berlins unweit des Olympiastadions gelegen, erhebt sich, weithin sichtbar, mitten aus einem Gewirr von Hallen eine Stahlgitter-Konstruktion, die durchaus eine gewisse Affinität zum Pariser Eiffelturm aufzuweisen hat. Einstmals weltberühmt, ist ihr Ruhm in den letzten Jahrzehnten etwas verblasst. Manchen auswärtigen Besuchern ist ihr Sinn und Zweck gar nicht mehr gegenwärtig. Doch wer einen Einheimischen fragt, handelt sich schnell eine gute Portion Verachtung ein: „Wat, Sie kennen unseren Berliner Funkturm nich?“

Der Berliner Funkturm, ein Wahrzeichen von Berlin und jahrzehntelang das Symbol schlechthin für den Rundfunk in Deutschland. Vor hundert Jahren eroberte das neue Medium „Radio“ die Wohnzimmer in aller Welt. Immer mehr Deutsche wollten morgens Musik hören, mittags Nachrichten verfolgen und nachmittags „live“ bei Sportwettkämpfen dabei sein. Immer mehr Empfänger erfordern aber immer stärkere Antennen. Erste Einrichtungen im Beliner Umland entpuppten sich als besserer Notbehelf. Und so entstand quasi mitten in der Großstadt eine leistungsstarke Sende-Anlage, deren Signal aus 150 Metern Höhe ausgestrahlt wurde.

Im Jahre 1926 zur 2. Großen Deutschen Funkausstellung eröffnet, war das höchste Bauwerk Berlins vom ersten Tag an ein Zuschauermagnet. Die Menschen standen Schlange für einen Besuch im Turmrestaurant oder auf der noch höher gelegenen Aussichtsplattform mit Blick auf die riesige Metropole. Nach den Not- und Chaosjahren der frühen Nachkriegszeit war der Funkturm ein Symbol, dass es wieder aufwärts ging und es sich zu leben lohnte. In dieser Hinsicht ist der Funkturm ein Denkmal für die vielzitierten „Goldenen Zwanziger Jahre“ – aber auch ein Mahnmal, dass die allergrößte Zeit des Rundfunks (dreißiger Jahre) die finsterste Zeit der Berliner Geschichte wurde: Die „Mobilisierung der Massen“ durch die Nazis war ohne Rundfunk unmöglich. In seinem Theaterstück „Des Teufels General“ erwähnt Carl Zuckmayer die Verwendung des Funkturms als Flakzentrale…

Wie sehr die Berliner an ihrem „Langen Lulatsch“ hingen, wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich: Schwer beschädigt und nur noch auf drei Beinen stehend, wurde er so rasch wie möglich instant gesetzt, statt wie geplant abgerissen zu werden. Technisch sank seine Bedeutung zwar rapide dank höherer Sendetürme und dem Siegeslauf des Fernsehens. Doch wer aus dem Umland kommend zum Messegelände will, der braucht sich nur am Funkturm zu orientieren. Überdies stand und steht er alle zwei Jahre im Rampenlicht, wenn von der Großen Funkaussellung „Live vom Berliner Funkturm“ berichtet wird. Seine Sendeanlage dient bis heute dem Mobil-, Amateur- sowie dem Berliner Polizeifunk.

Selbstredend kommt ein echtes Berliner Wahrzeichen nicht ohne Kuriositäten aus. Wer sich die vier Sockel des „Berliner Eifelturms“ genauer ansieht, wird die großen weißen Platten unter den Füßen entdecken. Es handelt sich im Isolatoren aus Porzellan, um eine Erdung des Turms zu verhindern: Das höchste Gebäude Berlins als natürliches Ziel für Blitzschlag hätte sonst leicht zur Todesfalle werden können. Tatsächlich wurde der Fernsehturm in seiner Geschichte dreimal beschädigt: Einmal 1926 vor der Eröffnung durch Lötarbeiten – das Feuer im Restaurant war rasch unter Kontrolle. Zweitens 1935, als Ausstellungshalle 4 ausbrannte und Funken aufs Turmrestaurant übergriffen, und 1945 beim Endkampf um Berlin. Die Turmspitze selbst wurde noch nie abgebrochen – obwohl oder gerade weil sie bei starkem Wind bis zu 40 Zentimeter schwanken kann. Alle sieben Jahre wird der Funkturm um einige Kilo schwerer, wenn er nämlich seinen neuen Farbanstrich erhällt.

Bis heute nutzen Berliner und Berlin-Besucher das Turmrestaurant und die Plattform für einen Blick auf die Metropole. Wer die insgesamt 550 Stufen scheut, kann gerne auch den Aufzug nehmen.

Adresse

Hammarskjöldplatz, 14055 Berlin

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