Bunkerkirche Sankt Sakrament in Düsseldorf
Bild: Velopilger / CC BY-SA

Im Westen Düsseldorfs steht im Stadtteil Heerdt eine ganz und gar außergewöhnliche Kirche. Ein wuchtiges Bauwerk aus grauem Sichtbeton streckt sich zwischen Kevelaerer- und Heerdter Landstraße in den Himmel. Der Kirche Sankt Sakrament ist ihre ehemalige Nutzung als Hochbunker im 2. Weltkrieg deutlich anzusehen. In den späten 1940er Jahren wurde das Gebäude mit wenig Baumaterial so geschickt umgebaut, dass es dennoch einer Verwendung als Kirche gerecht wird.

Luftschutzbunker im 2. Weltkrieg

Bereits 1928 besaß die Gemeinde Sankt Sakrament an der Stelle der heutigen Bunkerkirche ein Grundstück für den Bau einer Kirche. Aus finanzieller Not entstand stattdessen angrenzend eine Notbaracke, die bis zum 2. Weltkrieg als Gotteshaus diente. 1940 enteigneten die Nationalsozialisten das unbebaute Kirchengrundstück und errichteten einen Luftschutzbunker. Um dessen Bombardierung zu verhindern, erhielt das Gebäude die Gestalt einer Kirche. Es entstand ein rechteckiger Hochbunker mit einem stilisierten runden Betonturm.

Bunkerkirche Sankt Sakrament in Düsseldorf
Bild: Ilion / CC BY-SA

Umbau zur Bunkerkirche

Da die provisorische Kirchenbaracke 1944 durch einen Bombenangriff zerstört wurde, entwickelte der damalige Gemeindepfarrer Dr. Carl Klinkhammer nach dem 2. Weltkrieg einen außergewöhnlichen Plan. Der kaum beschädigte Luftschutzbunker soll zu einer Kirche umgestaltet werden und zugleich als Mahnmal gegen den Nationalsozialismus dienen. Bevor Carl Klinkhammer hier als Pfarrer arbeitete, verhafteten und inhaftierten ihn die Nazis mehrmals aufgrund seiner Aussagen und Predigten. Beim Umbau zur Kirche stand die Bibeltextstelle: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern machen“ Pate. Der Hochbunker als Zeugnis für die mörderische Diktatur wird zu einem Ort für Frieden und Toleranz.

Viele ehrenamtliche Helfer unterstützten ab 1948 den Umbau des Luftschutzbunkers zu einem Gotteshaus. Da das aus Stahlbeton gebaute Gebäude 1,20 Meter dicke Wände und Decken mit einer Stärke von bis zu 2,70 Metern aufwies, mussten die Bauarbeiter Sprengungen durchführen. Sie entfernten die Bunkerzellen sowie Etagendecken und sprengten in die Seitenwände Löcher für die Kirchenfenster. Unmengen von Schutt mussten die Ehrenamtlichen wegräumen. Den Keller mit seinen Bunkerzellen und den Turm beließ man hingegen im Originalzustand. Das Ergebnis des Umbaus ist eine Kirche mit einem hellen und großen Kirchenraum mit bunten Kirchenfenstern. 1949 folgte die Weihe zur katholischen Kirche Sankt Sakrament und drei Jahre später krönte ein gemauerter Glockenturm den Bunkerturm.

Bunkerkirche Sankt Sakrament in Düsseldorf
Bild: Ilion / CC BY-SA

Seitdem fungiert das Gotteshaus außer als Kirche auch als ein Ort des Dialoges zum Thema Krieg und Frieden. Die Gemeinde veranstaltete bisher zahlreiche themenbezogene Vorträge, Konzerte und Kunstausstellungen. Die unterirdischen Bunkerräume beherbergen eine Dauerausstellung zu Düsseldorfer Widerstandskämpfern in der NS-Zeit.

Weihe zur koptisch-orthodoxen Kirche

2015 übergab der Kölner Kardinal Woelki die katholische Bunkerkirche an die Kopten in Düsseldorf. Denn in der jüngsten Vergangenheit wuchs die koptische Gemeinde in Düsseldorf Gerresheim aufgrund von Flüchtlingen so stark an, dass die eigenen Gemeinderäume nicht mehr genug Platz boten. Kopten werden in ihren Heimatländern wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt. 2019 weihte der Papst-Patriach Tawadros II. die Bunkerkirche als koptisch-orthodoxe Kirche. Neben der Bunkerkirche entsteht ein neues Gemeinde- und Integrationszentrum mit einem großen Veranstaltungssaal sowie Seminarräumen. Das Gebäude, welches Düsseldorfern während des Zweiten Weltkrieges Schutz bot, ist nun ein Zufluchtsort für verfolgte Christen.

Adresse: Wo liegt die Kirche?

Heerdter Landstraße 270, 40549 Düsseldorf

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