Bild: Kaho Mitsuki / CC BY-SA

Bei dem Begriff Schönheitengalerie denken manche an das Prinzip von Misswahlen oder die Darstellung der Top Ten von „Germany‘s next Topmodel“. Eine gewisse Vergleichbarkeit zur Schönheitengalerie von Ludwig I ist mit Sicherheit gegeben. Wenn ihr also die „Schönsten des schönen Geschlechts in München“ zur Herrscherzeit des bayerischen Königs entdecken wollt, seid ihr in seiner besonderen Galerie im Schloss Nymphenburg genau richtig.

Vorbilder

Allgemein waren Galerien solcher Art zu dieser Zeit in Mode. Schon im 17. Jahrhundert kam in Italien die Idee dazu auf. Auch zahlreiche Kurfürsten des deutschen Reichs ließen sich Porträts von Hofdamen nach dem Beispiel des „Cabinet des dames“ von Ludwig XIV (1660) im Schloss Versailles anfertigen. Selbst Zarin Elisabeth besaß eine vergleichbare Galerie, welche in Frauengestalten die Vielfalt der Völker Russlands darstellen sollte.

Entstehung der Galerie

Schon Jahre vor seiner Thronbesteigung (1825) hatte Ludwig I die Idee zu einer derartigen Reihe von Porträts schöner Damen. Trotz eines früheren Skandals um zwei Werke des Hofmalers Joseph Stieler entschied sich Ludwig I dann für ihn zur Realisierung seines Projekts, hatte er doch nur wenig später große Bekanntheit aufgrund seines Porträts von Ludwig van Beethoven erlangt.

Die Schönheitengalerie Schloss Nymphenburg München
Bild: Joseph Karl Stieler / Public domain

Die Galerie aus 38 Bildnissen von Schönheiten entstand in den Jahren von 1826 bis 1861. Zehn Porträts wurden nach der Abdankung des Königs ergänzt und die letzten beiden Porträts der Galerie stammten aus der Feder von Friedrich Dürck, dem Neffen und Schüler Stielers. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese in das Schloss Nymphenburg gebracht, wo ihr sie heute im südlichen Pavillon bewundern könnt.

Neuartigkeit der Galerie

Die Auswahl der Damen folgte einem bestimmten Konzept und lässt sich keineswegs nur in der persönlichen Präferenz des Königs erklären. Waren in anderen Galerien immer mystische Frauengestalten oder Damen von Hofe dargestellt, wurden nun hauptsächlich Landeskinder ausgesucht. Alle aus seinem direkten Umfeld hielten Ausschau nach den Schönheiten, welche zudem einen tadellosen Ruf haben mussten, ganz nach den Idealen der klassischen Antike. Selbst seine Frau, Königin Therese, beteiligte sich und machte ihn auf die hübsche Tochter des englischen Gesandten aufmerksam.

Die Schönheitengalerie Schloss Nymphenburg München
Bild: Joseph Karl Stieler / Public domain

Des Weiteren sollten die Frauen sowohl adeliger als auch bürgerlicher Herkunft sein und in ihrer Vielfalt alle Stände und Berufe widerspiegeln. Das Frauenlob war seit dem Minnesang im Mittelalter bekannt und sollte nun mit dieser Galerie auch einen erbauenden Patriotismus hervorrufen, da es sich doch um regionale Schönheiten von besonderer Tugend handelte. So kann man der Galerie auch eine gewisse politische Motivation unterstellen, denn sie war von Anfang an für die Öffentlichkeit bestimmt.

Interessanteste Bildnisse

Eines der bekanntesten Porträts ist wohl das der „Schönen Münchnerin“ Helene Sedlymayr, einer Schustertochter. Zeitgenössisch weit über die Grenzen des deutschen Reichs hinaus verehrt war die damalige Schauspielerin Charlotte von Hagn. Doch das skandalöseste Bild ist das der Geliebten des Königs, Lola Montez. Ludwig I bat seinen Hofmaler mehrfach darum, sie zu malen. Stieler hatte aber Bedenken hinsichtlich der Reaktion der Öffentlichkeit. Zurecht. Denn die Ausstellung ihres Porträts gab Anlass zur sogenannten Märzrevolution (1848/49), worauf der König letztlich abdanken musste.

Adresse

Schloß Nymphenburg 1, 80638 München

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