Unterkiefer von Mauer in Heidelberg
Bild: Gerbil / CC BY

Bereits 1833 wurden die ersten Neandertaler-Knochen entdeckt und damit begann unter Naturforschern ein regelrechter Fossilienrausch. Jeder wollte die ältesten menschlichen Knochen ans Tageslicht befördern. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass ein Professort Otto Schötensack die Arbeiter einer Sand- und Kiesgrube in der Ortschaft Mauer nahe Heidelberg instruiert hatte, menschliche Fossilienfunde sofort zu melden. Dort wurden bereits seit mehreren Jahrzehnten vorzeitliche Tierfossilien entdeckt und der Forscher glaubte fest an die Existenz von urzeitlichen Jägern.

Der Unterkiefer von Mauer wird entdeckt

Am 21. Oktober 1907 war es soweit. Der Arbeiter Daniel Hartmann findet bei seiner Arbeit einen menschlichen Unterkiefer, den er auch direkt als solchen erkennt. Er soll in seinem badischen Dialekt geäußert haben: „Heit hab isch de Adam g’funne.“ Auch wenn die Knochen nicht von dem biblischen Adam selbst stammen, so lag der Arbeiter letztendlich mit seiner Aussage nicht so falsch. Denn immerhin sollte sich herausstellen, dass es sich bei dem Kiefer um das älteste bis dahin gefundene menschliche Fossil handelte. Hartmann meldet den Fund an Professor Schötensack und schon bald ging die Nachricht von dem Fossils um die Welt.

Der Kiefer und die Wissenschaft

Der Professor schätzte das Fundstück auf etwa eine halbe Million Jahre und stützte diese Annahme durch geologische Untersuchungen an seinem Fundort. Wissenschaftlich wurde der Typ Mensch als Homo heidelbergensis bezeichnet, der sich später als ein Vorfahre des Neandertalers herausstellte. 2010 gelang es mit neuesten Methoden, ein etwas genaueres Alter des Unterkiefers zu ermitteln: er ist 609.000 Jahre alt, plus oder minus 40.000. Demnach noch etwas älter als es Schötensack vermutet hatte.

Auswirkungen des Fundes

Für das imperialistische Kaiserreich war die Nachricht von dem ältesten Menschenfossil ein gefundenes Fressen, denn durch seinen Fundort auf dem Gebiet des einstigen Germaniens, war für diese der erste Mensch folglich ein Deutscher. Inzwischen wurden sehr viel ältere Exemplare gefunden, vor allem in Asien und Afrika. Dennoch steht der Unterkiefer von Mauer seit einigen Jahren wieder im Zentrum wissenschaftlichen Interesses, denn durch die Entschlüsselung seines Genoms im Jahr 2010 konnten Übereinstimmungen mit dem des modernen Menschen nachgewiesen werden. Durch das wiederaufgeflammte mediale Interesse wurde der Fund jüngst sogar zum Zankapfel zwischen Mauer und Heidelberg. Der kleine Ort wünscht sich ein Museum am Ausgrabungsort – doch das Institut für Geowissenschaften der Uni Heidelberg möchte das wertvolle Stück lieber sicher in seinem Tresor aufbewahrt wissen.

Adresse

Wer sich den Unterkiefer von Mauer anschauen möchten, kann im Geowissenschaften-Museum in Heidelberg ein Auge drauf werfen. Die genaue Adresse lautet: Im Neuenheimer Feld 235, 69120 Heidelberg

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