Augenroller Koblenz
Bild: Wamito / Public domain

Koblenz ist einer der beliebtesten Touristenmagnete Deutschlands. Hunderttausende Touristen kommen in jedem Jahr in die historische, mehr als 2000 Jahre alte Stadt Stadt am Zusammenfluss von Thein und Mosel, um historische Stätten, Baudenkmäler und die berhümte Altstadt zu besuchen. Und dort, in der Altstadt, findet sich auch der Augenroller von Koblenz, und zwar an der Außenwand des ebenfalls historischen Alten Kaufhauses von 1419 am Florinsplatz.

Die skurille Geschichte des Augenrollers

Im 16. Jahrhundert gab es einen verarmten Adligen namens Johann Lutter von Kobern, der aus der Nähe von Koblenzstammte. Um seine finanzielle Lage aufzubessern, beschloss Lutter, Straßenräuber zu werden. Am 7. Mai 1536 wurde er bei Koblenz von Bauern aus einem Gebüsch gezogen, von dem aus er eine Landstraße ausgespäht hatte. Er wurde in Cochem eingesperrt. Man klagte ihn der Wegelagerei und des Straßenraubs an. Er gestand, er habe einem Kaufmann aufgelauert. Lutter wurde der prozess gemacht. Geständnisse und Zeugenaussagen ergaben, dass er bereits zuvor an Überfälen beteiligt war, und so wurde er schuldig gesprochen. Es gab mildernde Umstände – er hatte seine Taten nie vollendet -, aber die wurden nicht berücksichtigt, denn erst kurz zuvor hatte Kaiser Karl V. beschlossen, schärfer gegen Straßenräuberei vorzugehen, und nun sollte ein Exempel her.

Lutter wurde zum Tode verurteilt und am 14. oktober 1536 enthauptet. Kurz vorher soll er den Richtern noch gezeigt haben, wie er über die Koblenzer Justiz dachte. Er soll wüste Grimassen geschnitten, mit den Augen gerollt und die Zunge herausgestreckt haben, und das soll sein Kopf auch noch gemacht haben, als er längst abgeschlagen war.

Die Figur

Auch heisst es, Lutter habe gefordert, man möge ihm ein Denkmal errichten, das werde der Stadt Glück bringen. Dazu kam es aber erst viel später. Als im Jahr 1724 das Alte Kaufhaus umgebaut wurde, erhielt die Turmuhr ein aus Blech gefertigtes Gesicht mit beweglichen Augen und ebensolchem Mund. Vom Uhrwerk angetrieben , rollte das Gesicht mit den Augen, und und alle halbe Stunde öffnete es seinen Mund und streckte die Zunge heraus. Leider hat das Gesicht einen Luftangriff nicht überlebt.

Augenroller Koblenz
Bild: Wamito / Public domain

Die Uhr wurde 1944 zerstört. Das Gesicht wurde nur beschädigt, konnte aber nicht repariert werden, da es gestohlen wurde. Nach dem Wiederaufbau des Kaufhauses 1965 wurde ein neues Gesicht mit einfacherer Mechanik angebracht. Der neue Augenroller öffnet seinen Mund nicht mehr, er streckt nur noch die Zunge heraus. Dennoch ist er eines der Wahrzeichen von Koblenz.

Wahrheit oder erfunden?

Was ist hier Legende, was ist Wahrheit? Der Hintergrund der Sage ist auf jeden Fall wahr. Bis heute sind sogar die Prozessakten erhalten geblieben. Ob der Augenroller allerdings wirklich Johann Lutter von Kobern zeigt, das weiß niemand. Es gibt ja auch in anderen Städten Augenroller, sogar in Koblenz selbst gibt es noch einen. Die Sage um Lutters Hinrichtung entstand auch erst viel später, sogar erst, nachdem das erste Gesicht an der Uhr angebracht wurde. Vielleicht hat das Gesicht sogar erst die Sage inspiriert. Man weiß es nicht. Aber es ist eine schaurig-schöne Geschichte, und das Wahrzeichen einer Stadt stellt man nicht in Frage.

Adresse: Wo kann den Augenroller sehen?

So oder so: Die Figur des Augenrollers ist heutzutage am Alten Kaufhaus am Zentralplatz 1 in 56068 Koblenz zu sehen.

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