Natter Startrampe
Bild: MartinMerinsky / CC BY-SA

Unweit der A8 bei Kirchheim unter Teck, südlich der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart, liegen, versteckt im Wald, die Überbleibsel einer ganz besonderen Startbahn. Aus dem Wald sollte das Raketenflugzeug „Natter“ zur Abwehr von feindlichen Bomberverbänden im Zweiten Weltkrieg in den Himmel starten. Die Natter-Startstellen in Kirchheim unter Teck gingen unter dem Namen „Operation Krokus“ in die deutsche Geschichte ein.

Das Natter-Konzept

Die Natter war ein deutsches Raketenflugzeug zur Abwehr von feindlichen Bombern im Zweiten Weltkrieg. Trotz der neumodernen Konstruktion, kam das Raketenflugzeug nie zum Einsatz. Das Besondere an dem Kriegsflieger war: Das Raketenflugzeug konnte aufgrund der speziellen Bauweise senkrecht von einer Holzrampe in den Himmel starten. Im März 1945 erfolgte auf dem Truppenübungsplatz im nahegelegenen Heuberg der erste bemannte Raketenstart in der deutschen Geschichte. Der Pilot Lothar Sieber wurde in der Natter in den Himmel geschossen. Das Raketenflugzeug stieg 14.000 Meter in die Luft. Dabei erreichte es eine Maximalgeschwindigkeit von 1.000 km/h. Ein schwerwiegender Defekt an der Haube führte jedoch zum Absturz des Fliegers. Der Pilot kam ums Leben, nachdem er aus dem Flieger katapultiert wurde. Der erste Flug verlief also gar nicht nach Plan. Dieser sah nämlich folgendes vor: Piloten sollten sich nach erfolgreichem Angriff aus dem Sitz schießen und mit einem Fallschirm zum Boden segeln. Die Natter sollte ebenfalls per Fallschirm zurück am Boden landen – eine echte Revolution in dieser Zeit. Der Vorteil, der dadurch entstand, war dieser, dass keine erfahrenen Piloten für Flüge benötigt wurden, da sie den Flieger nicht starten und landen brauchten.

Operation Krokus

Im Frühjahr 1945 wurden die Startstellen im Wald errichtet. Gleichzeitig wurde der Kampfeinsatz unter dem Decknamen „Krokus“ geplant. Bald darauf wurden die ersten Piloten zum neuen Stützpunkt verlegt. Sie warteten auf den Startbefehl. Doch die Bauarbeiten verzögerten sich. Nun kam alles anders: Aufgrund des Kriegsverlaufs wurde der Bau eingestellt und die Raketenflugzeuge an den Stützpunkt nach Bad Waldsee verlegt. Bereits im Mai erreichten amerikanische Truppen Kirchheim unter Teck und nahmen den Flugplatz ein. Die Piloten konnten flüchten. Bald darauf wurde der Krieg beendet. Deutschland verlor den Krieg.

Die Natter-Startstellen in Kirchheim unter Teck sind die einzigen Überreste von Raketenstartrampen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die öffentlich zugänglich sind. Wer sich mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs auseinander setzen möchte, hat hier die Chance ein Teil der deutschen Geschichte auf eigene Faust zu entdecken.

Adresse / Koordinaten

48° 37′ 42″ N, 9° 29′ 57″ O sowie 48° 37′ 42″ N, 9° 29′ 54″ O und 48° 37′ 40″ N, 9° 29′ 54″ O.

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