Silcher-Denkmal
Bild: SchiDD / CC BY-SA

Auf der Neckarinsel in Tübingen steht ein Denkmal zu Ehren des deutschen Volkslieder-Komponisten Philipp Friedrich Silcher. An dem Denkmal scheiden sich die Geister wie kaum einem anderen in Deutschland.

Friedrich Wilhelm Silcher wurde 1789 in Schnait geboren, er starb 1860 in Tübingen. Er war ein Komponist und ist heute vor allem für seine Volkslieder bekannt. Zu seinen bekanntesten Melodien gehören „Muss i denn zum Städtele hinaus“ und „Der Mai ist gekommen“.

Bereits 1873 wurde Silcher zu Ehren ein erstes Denkmal errichtet, ein einfacher Obelisk. Der stand ursprünglich an der Tübinger Universität, wurde aber 1928 auf die Neckarinsel gebracht, dorthin, wo heute das neuere Denkmal steht.

1933 kamen die Nationalsozialisten an die Macht, und sie begannen sofort mit ihrer Vereinnahmung der deutschen Kultur. Aus Anlass des 150. Geburtstages von Silcher wurde 1939 in Tübingen eine zweitägige sogenannte Silcherfeier veranstaltet. Der Organisator der Feier war nicht nur Vizevorsitzender des schwäbischen Sängerbundes und glühender Silcher-Verehrer, sondern auch Kreisleiter der Tübinger NSDAP. Er hatte den Plan, die Stadt zu einer Art nationaler Weihestätte des deutschen Sängertums zu machen. Im Zentrum des Heiligtums sollte das Silcher-Denkmal stehen, aber ein Obelisk war da nicht gut genug. Also wurde anlässlich der Feie der Grundstein für ein neues Denkmal gelegt.

Silcher-Denkmal
Bild: Dktue / CC0

Das neue Denkmal wurde 1941 fertiggestellt. Es handelt sich um eine 5 Meter 70 hohe Sandstein-Statue in typisch nationalsozialistischer Monumental-Ästhetik und voller Nazi-Symbole. Die Rückseite des Denkmals „ziert“ die Darstellung eines deutschen Weltkriegs-Soldaten, der sein Gewehr nachladen muss und deshalb seinem sterbenden Kameraden nicht die Hand halten kann. Eine Putte mit Gewehr über der Schulter ist genau so zu finden wie ein Liebespaar, das Abschied nimmt, weil der Mann in den Krieg zieht.

Ein kontroverses Denkmal

Aus unerfindlichen Gründen wurde das Silcher-Denkmal nach dem Krieg nicht entfernt, obwohl die Alliierten entsprechende Gesetze erlassen hatten. Und so steht es bis heute und ist eines der ganz wenigen Denkmale aus der Zeit des Nationalsozialismus, die man heute noch im öffentlichen Raum antreffen kann.

Silcher-Denkmal
Bild: Dktue / CC0

Da überrascht es nicht, dass es seit Jahrzehnten immer wieder zu Diskussionen darüber kommt, wie mit dem Denkmal umgegangen werde sollte. Statt den Koloss abzureißen, wurde er 2018 sogar restauriert. Anfang 2020 schließlich hat eine Künstlergruppe gemeinsam mit Bürgern der Stadt Tübingen in einer Aktion das Denkmal in ein „Mahnmal gegen die Vereinnahmung der Künste durch rassistische und nationalistische Kräfte“ umgewidmet Beendet ist die Diskussion um das Stück Tübinger Nazikunst damit sicher nicht.

Adresse: Wo kann man sich das Denkmal anschauen?

Das Denkmal liegt an folgender Adresse: Neckarhalde 23, 72070 Tübingen

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