Grab Roter Baron Manfred von Richthofen
Bild: Richard Croft / CC BY-SA

Es ist ein großes Grab. Groß, aber nicht pompös. Vielmehr wirkt es schlicht und bodenständig. Ein großer Granitstein mit dem Familiennamen thront über dem Familiengrab, rundherum weitere Gedenksteine und meistens liegen auch frische Blumen oder gar Kränze nieder. Das Grab des Roten Barons auf dem Wiesbadener Südfriedhof scheint auf den ersten Blick wenig besonders zu sein. Aber das, was dahinter steckt, ist wirklich beeindruckend, erstaunlich und zum Teil sogar überraschend.

Besucher aus aller Welt

Ein Spaziergang über den Südfriedhof in Wiesbaden kann nicht nur erholsam sein – schließlich ist es nirgendwo so ruhig, wie auf einem Friedhof. Er kann auch lehrreich sein. Denn hier liegt unter anderem ein „Prominenter“ aus der Vergangenheit, von dem jeder schon mal irgendwann irgendwo etwas gehört hat. Hier fand Manfred Albrecht von Richthofen, auch als Roter Baron bekannt, seine letzte Ruhestätte. Von Richthofen war der wohl bekannteste und erfolgreichste Jagdflieger zu Zeiten des Ersten Weltkriegs.

Seinen Beinamen Roter Baron verdankt er dem roten Doppeldecker, in dem er geflogen ist. Besonders lohnenswert ist der Besuch seiner Grabstätte an seinem Todestag, dem 21. April, denn dann kommen Besucher aus aller Welt, um dem Roten Baron ihre Ehre zu erweisen und ihm zu gedenken. Von Richthofen ruht in einem Familiengrab. Um genau zu sein im Grab Nummer 77 am Westhain.

Heldenepos des Roten Barons

Der Rote Baron ging als Kriegsheld in die Geschichte ein. Über ihn gibt es viele Erzählungen. Welche davon wahr sind, ist umstritten. So gibt es zum Beispiel die These, dass er aufgrund einer Kopfverletzung das Gefühl von Angst verlor und deshalb so gnadenlos und fixiert auf seine Gegner auf „die Jagd“ ging. Das soll auch zu seinem Verhängnis geworden sein, als er selbst den Tod fand. Fixiert auf einen gegnerischen Flieger flog er hinter die feindliche Linie, wurde von Bodenschützen getroffen und starb, nachdem er seinen roten Doppeldecker noch sicher landen konnte. Das war am 21.04.1918. Das er eher ein tragischer Held war, zeigt unter anderem ein Schreiben von ihm aus dem Jahr 1917 in dem steht, dass ihm nach jedem Kampf erbärmlich zumute sei und dass alles viel ernster sei, als die Menschen in der Heimat denken.

Drei Umbettungen – jetzt die wirklich letzte Ruhestätte?

Der Rote Baron wurde nicht sofort in das Familiengrab gebettet, sondern hat eine weite Reise hinter sich. Das erste Mal begraben wurde er in der Nähe seines Abschussortes in Bertangles, fünf Jahre später dann auf einem deutschen Soldatenfriedhof in Fircourt, Frankreich. Seine Reise ging weiter auf den Invalidenfriedhof in Berlin. Erst Mitte der 70er Jahre kam der Rote Baron „nach Hause“ nach Wiesbaden, nachdem der Invalidenfriedhof im Zuge des Mauerbaus eingeebnet werden sollte.

Noch heute spielt der Rote Baron eine wichtige Rolle als Vorbild für das deutsche Militär. So steht er für Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit, Loyalität, Treue und Gehorsam. Zudem werden noch heute seine eingeführten taktischen Verfahren von Kampffliegern aus aller Welt analysiert und ausgeführt.

Adresse

Grab Nummer 77 am Westhain, Wiesbadener Südfriedhof, 25, 65189 Wiesbaden

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