Da-Bach-Na-Fahrt Schramberg
Bild: Annette Kasenbacher http://www.foto-kasenbacher.de/ / Public domain

Was Fastnachtsbrauchtum angeht, hat Schramberg etwas ganz Besonderes zu bieten: die Da-Bach-na-Fahrt. Wenn anderswo am Rosenmontag die geschmückten Wagen auf den Straßen den Umzug bestreiten, werden in Schramberg vierzig fantasievoll gestaltete Zuber aus Holz zu Wasser gelassen. Unter dem Jubel von jährlich rund 30.000 Zuschauern fahren die Zuber mit jeweils zwei Passagieren an Bord den oberen Flusslauf der Schiltach hinunter.

Die erste Fahrt fand bereits 1936 statt. Ein ausgedehnter Frühschoppen brachte damals einige Narren des „Jungen Parlaments“ auf die Idee, das neu ausgebaute Bachbett in Wasch- und Brühzubern hinunterzufahren – eine Protestaktion gegen die drohende Arbeit. Die Aktion hatte Erfolg, denn viele Zuschauer wurden durch die Gaudi von ihrer Arbeit in der Fabrik abgehalten. Das Spektakel und der arbeitsfreie Faschingsmontag sind seither Tradition.

Die Zuberkapitäne legen los

Drei Wochen haben die sogenannten Zuberkapitäne Zeit, ihr Gefährt zu gestalten. Dafür bekommen sie einen von vierzig Brühzubern zugewiesen. Aus Gründen der Fairness entscheidet das Los, wer welchen Zuber bekommt. Dies sorgt oft schon für die ersten langen Gesichter, denn mancher Zuber erfordert besonders viel Geschick, um ihn zu gestalten und fahrtauglich zu machen. An der Dekoration wird von nun an eifrig gearbeitet. Das gemeinsame Ziel treibt die Teams an, selbst wenn sie dabei Schaden nehmen. Wichtige Regeln müssen jedoch beachtet werden: Es dürfen keine wassergefährdenden Stoffe verwendet werden und der Zuber darf nicht durchbohrt oder beschädigt werden. Die Kapitäne wählen meist ein regionales oder nationales Motto aus, unter dem die Fahrt stattfindet.

Bis in die Fünfziger Jahre waren auch andere Untersätze erlaubt, wie Badewannen, Blechgefäße oder gar der Flugzeugtank eines Weltkriegsbombers. Das jedoch ist inzwischen verboten, allein Holzzuber sind zugelassen. Am Tag vor der Fahrt werden die „Erstfahrer“ an der St.-Maria-Kirche getauft. Die Taufe findet in einer feierlichen Zeremonie in der eiskalten Schiltach statt. Die Zuberkapitäne werden dabei eingehend auf ihre Tauglichkeit untersucht.

Am Rosenmontag geht es rund

Am Fasnetsmontag ist es schließlich soweit. Die Zuber werden in einem Umzug zum Startpunkt transportiert. Dies braucht Helfer und gute Teamarbeit, denn der Transport flussaufwärts ist echte Knochenarbeit. Um 13.00 Uhr fällt schließlich der Startschuss. Abhängig von Wasserstand und Beschaffenheit des Zubers dauert die außergewöhnliche Fahrt zwischen fünf und zwölf Minuten. Der erste und der letzte Zuber sind nicht geschmückt, sie stehen symbolisch für die Anfänge der Tradition. Spezielle Schwierigkeitsgrade müssen bei der Fahrt gemeistert werden. Die Strecke beinhaltet beispielsweise drei Rutschen, welche Souveränität und Geschick von den Kapitänen verlangen und ihre schwimmenden Kunstwerke auf eine harte Probe stellen.

Da-Bach-Na-Fahrt Schramberg
Bild: Annette Kasenbacher / Public domain

Die Zuschauer feuern die Kapitäne kräftig an. Zurufe wie „Batschnass“ oder „Furztrocke“ kommentieren das Geschehen. Auf die Fahrer wartet am Ende eine heiße Dusche, auf alle Trockengebliebenen ein Glühwein. Die Feuerwehr, das Rote Kreuz und das THW sind stets vor Ort, um havarierte Zuber zu bergen, kleine Schrammen zu versorgen und für Sicherheit zu sorgen.

Als Abschluss gibt es am Abend einen Ball mit Siegerehrung. Gekürt wird der kreativste Zuber, doch auch die Verlierer werden besonders geehrt: Der „Patsch-Nass-Orden“ geht an das Team, das mit seinem Gefährt am spektakulärsten gescheitert ist.

Wo findet die Da-Bach-na-Fahrt statt?

Die skurrile Flussabfahrt könnt ihr euch in Schramberg Baden-Württemberg anschauen.

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