Volkmarshäuser Tunnel
Bild: Foto: Axel Hindemith

Deutschland ist voll von ungewöhnlichen und äußerst interessanten Orten und Plätzen, die es gilt kennenzulernen. Ihr könnt sie entweder direkt ansteuern und in Ruhe besichtigen und auf diese Weise viel Wissenswertes darüber lernen. Oft bietet es sich aber auch an, diese besonderen Sehenswürdigkeiten einfach in einen geplanten Ausflug zu integrieren und so einem gemütlichen Spaziergang durch die Landschaft oder einer straffen Wanderung das gewisse Etwas zu verleihen – ein Höhepunkt gewissermaßen, auf den sich die ganze Familie freuen kann.

Zu diesen außergewöhnlichen Orten gehört auf jeden Fall auch der stillgelegte Volkmarshäuser Eisenbahn-Tunnel in Niedersachsen. Das Dorf Volkmarshausen mit knapp 800 Einwohnern liegt zwischen Göttingen und Kassel und lädt zum Besichtigen der zahlreichen Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert ein. Der Tunnel der Eisenbahn ist mit seinen wunderschönen, gut erhaltenen Portalen ebenfalls wirklich sehenswert.

Zeitzeugen einer längst vergangenen Epoche

Der stillgelegte Volkmarshäuser Eisenbahn-Tunnel befindet sich südlich des Bramwaldes mitten im Naturpark Münden. Er erstreckt sich über eine Länge von etwa 325 m und verläuft durch den Hang der Hünenburg und den Blümer Berg. Der Tunnel wurde zwischen 1852 und 1855 von der Hannöverschen Südbahn erbaut, der die ehemaligen Haltestellen Oberscheden und Volksmarshausen verband. Der mit Schwarzpulver freigesprengte Tunnel wurde von beiden Öffnungen aus über drei Jahre erbaut, bis sich am Ende die beiden Trupps der Bauleute in der Tunnelmitte trafen, um den Tunnelbau zu vollenden. Die Höhe des Tunnels beträgt sechs Meter und er wurde von innen mit schönen Klinkersteinen gemauert.

Der Tunnel war Teil der Strecke zwischen Hann. Münden und Göttingen, die auch Dransfelder Rampe genannt wurde. Der Volkmarshäuser Eisenbahn-Tunnel tat von 1856 bis 1995 über fast 140 Jahre lang seinen Dienst, bis er schließlich stillgelegt worden ist. Die beiden aufwändig konstruierten Eingangsportale sind immer noch sehr gut erhalten, während die Eisenbahngleise entfernt wurden. Für Besucher ist der Tunnel zu betreten und kann besichtigt werden. Ihr könnt euch auf die Spuren längst vergangener Zeiten begeben – tatsächlich zählt der Tunnel zu den bedeutendsten Bauwerken im ehemaligen Königreich Hannover.

Ein Ausflug mit Tunnelblick

… und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn ihr vom Ortskern von Volksmarshausen aus in Richtung Eisenbahn-Tunnel startet, könnt ihr euch unterwegs an der wunderschönen Natur und dem schattigen Wald erfreuen. Je nach Jahreszeit findet ihr hier zahlreiche bunte Blumen und andere interessante Vertreter aus Flora und Fauna. Entlang des Weges begegnen euch immer wieder Skulpturen verschiedener Tiere wie Raubkatzen und Steinböcke.

Am Eingang des Tunnels angekommen bewundert man erst einmal das unter Denkmalschutz stehende große Portal in neoromanischem Stil, erbaut aus Sandstein und schönen Elementen wie Rosetten aus Stein und dem Monogramm des Welfenkönigs Georg V. Beim Gang durch den Tunnel kann einem schon mal etwas mulmig werden, denn durch den kurvigen Verlauf ist beim Eintreten das Ende des Tunnels nicht zu sehen, so dass die Stimmung im Inneren eher düster und schummrig ist.

Volkmarshäuser Tunnel
Bild: Dehio / CC BY-SA

Diese Wanderung durch beste Natur mit Blick auf die umliegende hügelige Landschaft ist unbedingt einen Besuch wert und die Krönung mit dem spannenden Durchschreiten des stillgelegten Eisenbahn-Tunnels ist für viele Besucher richtig aufregend, denn dieser Tunnel ist nach wie vor in seinem ursprünglichen Zustand, überwuchert von Gras und Moos und im Inneren finster. Aber gerade durch diese Ursprünglichkeit hat sich der Ort seine besondere Authentizität bewahrt und lädt zu einer interessanten Begehung ein. Setzt diesen ungewöhnlichen Ort unbedingt auf eure Liste „Places to see“!

Adresse/Anfahrt/Koordinaten: Wo liegt der Volkmarshäuser Tunnel?

Der Tunnel hat keine genaue postalische Adresse. Die genauen Koordinaten sind 51° 26′ 49″ N, 9° 40′ 31″ O für das Nordostportal und 51° 26′ 43″ N, 9° 40′ 17″ O für das Südwestportal. Das Nordostportal habe ich auf folgender Karte eingezeichnet (rot umkreist, Klick auf die Karte für Großansicht):

Es empfiehlt sich, in Volkmarshausen am Karl-Köhler-Weg (oder in der Nähe) zu parken (Genaue postalische Adresse: Karl-Köhler-Weg, 34346 Hann. Münden). Näher kommt man mit dem Auto nicht ran. Dann sind es 300-400 Meter über kleine Wanderwege bis hin zum Nordostpostal.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Der Tunnel ist jederzeit zugänglich – auch nachts, wenn ihr euch traut – und da es sich hier um einen ganz normalen Wanderweg handelt natürlich auch kostenlos.

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