Waldhakenkreuz Zernikow
Bild: Reuters


Das Waldhakenkreuz bei Zernikow ist eine Anpflanzung von etwa 140 Lärchen in Form eines Hakenkreuzes inmitten eines kleinen Waldstücks bei Zernikow in der Uckermark. Sie befindet sich etwa 130 Kilometer nördlich von Berlin und weist eine Größe von ca. 60 x 60 Metern auf.

Zu erkennen ist das Hakenkreuz lediglich aus einer bestimmten Höhe und zu einer bestimmten Jahreszeit. Da Lärchen die Eigenschaft aufweisen, sich im Herbst gelb und danach braun zu verfärben, bevor sie ihr Nadelkleid verlieren, sind sie zu diesem Zeitpunkt deutlich von den umstehenden dunkelgrünen Kiefern zu unterscheiden. Das gleiche Phänomen tritt im Frühjahr zu Tage, wenn die frischen Nadeln der Lärchen in einem sehr hellen grün austreiben.

Da diese Anpflanzung vom Boden aus unmöglich zu erkennen ist, und auch nicht von den viel zu hoch fliegenden Verkehrsflugzeugen, dauerte es bis zum Jahr 1992, dass jemand das Waldhakenkreuz als solches entdeckte und diese Entdeckung auch meldete. Ein Praktikant einer Landschaftsbaufirma sollte Luftaufnahmen dieses Waldstückes auswerten, um nach Bewässerungslinien zu suchen. Dabei fiel ihm das Hakenkreuz im Wald auf.

Aufgrund verschiedener Messungen konnte der Zeitpunkt der Anpflanzung relativ genau ermittelt werden. Demnach wurden sowohl die Lärchen, als auch der sie umgebende Restwald aus Kiefern im Jahre 1938 gepflanzt. Um die Entstehung selbst ranken sich jedoch Mythen. Es gibt hierfür verschiedene Erklärungsansätze, von denen aber keiner bisher endgültig verifiziert werden konnte.

Ein ortsansässiger Bauer behauptete, die Bäume im Auftrag des damals zuständigen Försters gegen einen geringen Lohn angepflanzt zu haben. Andere Bewohner waren der Meinung, dass die Anpflanzung als Symbol der Regimetreue vorgenommen wurde, quasi eine Art Besänftigungsmaßnahme, nachdem ein Einwohner ins Konzentrationslager deportiert wurde, weil er heimlich BBC gehört haben soll. Wieder andere Quellen berichten von einem Auftrag des NSDAP-Kreisleiters, der damit den Geburtstag des Führers würdigen wollte. Schließlich kursiert auch noch die Theorie, dass die Bäume als Zeichen der Dankbarkeit für die neu erbaute Dorfstraße angepflanzt wurden. Welche Version die richtige ist, wird vermutlich nie ermittelt werden können. Fest steht jedoch, dass das Waldhakenkreuz entweder unbemerkt oder zumindest still geduldet mehrere Jahrzehnte überdauerte.

Nach der Entdeckung dauerte es jedoch nicht lange bis auch die internationale Presse Wind von dem ungewöhnlichen Hakenkreuz mitten in Brandenburg bekam. Besonders die französischen Medien griffen die Geschichte auf. Dies führte dazu, dass der damalige französiche Staatschef Mitterand bei Bundespräsident Herzog intervenierte, der seinerseits dem zuständigen Forstamt nahelegte, das Symbol zu beseitigen.

Allerdings erschwerten die undurchsichtigen und komplizierten Eigentumsverhältnisse des Waldstücks die Rodung der Bäume, so dass erst 1995 Forstarbeiter 40 Stück Lärchen fällten. Prompt meldete das Forstamt den Erfolg der Mission. Doch ein paar Jahre später kamen neue Luftaufnahmen ans Tageslicht, die nach wie vor ein – wenn auch etwas verzerrtes – Hakenkreuz darstellten. Da die Behörden Befürchtungen hegten, dass das Waldstück zur Kultstätte von Neonazis werden könnte, sollte der komplette Abschnitt gerodet werden. Doch aufgrund des Einwandes der Eigentümerin wurde lediglich ein Abholzen von weiteren 25 Bäumen genehmigt. Diese so auszuwählen, dass das Symbol tatsächlich nicht mehr als Hakenkreuz identifizierbar war, stellte eine Herausforderung dar, die aber letztlich gemeistert wurde.

Seitdem ist in der beschaulichen Uckermark wieder Ruhe eingekehrt.

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