Kloster Allerheiligen
Bild: Seanavigatorsson Olaf Arndt / CC BY-SA

Das frühgotische Kloster Allerheiligen beheimatete früher nicht nur eine anerkannte Klosterschule, sondern war auch eine beliebte Pilgerstätte. Teile des einst imposanten Kirchenbaus wie Überreste des Langhauses, der Vorhalle sowie der Sakristei und des Kreuzganges sind heute noch erhalten. Sogar die spätbarocke Gartenanlage, die auf drei Terrassen angelegt wurde, kann teilweise besichtigt werden.

Die Geschichte des Klosters

Das Kloster Allerheiligen im Lierbachtal wurde um 1191 von Uta von Schauenberg gegründet. Einer Volkssage nach war die Herzogin auf der Suche nach einem Platz, auf dem sie ein Kloster errichten. Sie ließ einen Sack mit Geld füllen und auf einen Esel packen. Schließlich marschierten das Tier und seine Begleiter durch das unwegsame Gelände. Auf der Bergkuppe warf der Esel den Sack ab und der kugelte hinunter bis zum Ufer des Baches in der Talmulde. Dort wurde das Kloster aus Buntsandstein erbaut, obwohl der Platz bis ins 19. Jahrhundert schwer erreichbar war.

Das Prämonstratenserkloster Allerheiligen wurde 1353 erstmals erwähnt und wurde 1657 zur Abtei erhoben. Die Mönche übernahmen vor allem seelsorgerische Aufgaben und führten eine Klosterschule. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich das renommierte Gymnasium mit Internat einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet.

Auch als beliebter Wallfahrtsort machte sich das oberhalb der Büttensteiner Wasserfälle errichte Kloster Allerheiligen einen Namen. Dazu trug vor allem der Ankauf der Reliquien des Heiligen Bonifatius und des Heiligen Clemens von Metz bei.

Heute eine Ruine: der „Fluch von Allerheiligen“?

Die erste Zerstörung fand 1470 statt, als ein großer Brand in der Abtei wütete. Eine zweites Mal wurde sie nach dem Wiederaufbau 1555 zerstört. Und dann löste 1804 ein Blitzschlag erneut ein großes Feuer aus, das wieder einmal zur Zerstörung der Abtei führte. Welch Ironie, dass gerade eine Abtei Gottes Zorn wiederholt spüren muss. „Die Wege des Herrn sind unergründlich“ heißt es, und so gab man sich im 19. Jahrhundert nicht mehr die Mühe, die Abtei erneut aufzubauen.

Und so entstand die Bildhübsche Ruine, die 620 Meter über dem Meeresspiegel, und in der Nähe wunderschöner Wasserfälle heute ein beliebtes Wanderziel für Touristen ist. Empfehlenswert ist ein Besuch im Winter bzw. im Herbst zu früher Uhrzeit – dann liegt, wenn ihr Glück habt, ein dichter Nebel über der Ruine, was sie noch anschaulicher macht und die Legenden wieder zum Leben erwecken lässt…

Sagen und Legenden: „Mythos“ Kloster Allerheiligen

Der Schriftsteller Mark Twain entdeckte auf seiner Europareise 1878 auch das Kloster im Schwarzwald und erzählte darüber in seinem satirischen Reisebericht „A Tramp Abroad“. Ob er dabei mit den sagenumwobenen Geschichten rund um das Kloster in Berührung kam, ist leider nicht überliefert. So soll zum Beispiel ein Mädchen einst verfolgt worden sein und stürzte auf der Flucht hinunter in die Tiefe. Ein Engel soll die Fallende gerettet haben.

Auch vom „Moospfaff“ wird gerne erzählt. Der Pfarrer war im Dreißigjährigen Krieg unterwegs, um einem Sterbenden die letzte Ölung zu verabreichen. Auf dem Weg muss der Geistliche jedoch die Hostie verloren haben. Seitdem soll er auf der Moos, dem Gebirgszug im Mittleren Schwarzwald, wandern und die Hostie suchen. Ruhe findet er wohl erst, wenn er diese wiederfindet.

Öffnungszeiten & Eintritt

Das Kloster Allerheiligen und der Sagenrundweg sind frei zugänglich. Der Eintritt ist frei. Neben der Ruine gibt es außerdem eine Dauerausstellung zur Geschichte des Klosters zu besichtigen.

Adresse

Allerheiligen 3, 77728 Oppenau

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