Michaelskapelle Oppenheim Beinhaus
Bild: Reneman / CC BY-SA

Idyllisch liegt die Katharinenkirche in der Stadt Oppenheim. Doch was sich gegenüber des Kirchhofs, im rückwärtigen Bereich der Kirche verbirgt, ist alles andere als idyllisch. Tatsächlich ruhen in der kleinen Michaelskapelle die Gebeine von mehr als 20.000 Menschen. Das Beinhaus der Michaelskapelle gilt als eines der größten und am besten erhaltenen auf der Welt.

Platzmangel als Grund für Kapellenbau

Das Untergeschoss der zweistöckigen Kapelle beherbergt ein rund 70 Quadratmeter großes Beinhaus, in dem die Schädel und Röhrenknochen von ca. 20.000 Oppenheimer Bürger bis an die Gewölbedecke geschichtet wurde. Dies wurde notwendig, da am Friedhof im frühen 15. Jahrhundert schlichtweg zu wenig Platz für die Toten war.

Kriege und Aufstände, Seuchen und Hungersnöte forderten immer mehr Opfer. Außerdem lag Oppenheim an einer damals wichtigen Handelsstraße zwischen Deutschland und Frankreich. Überfälle waren hier keine Seltenheit.

Es gab keine Möglichkeit, den kleinen Friedhof zu erweitern und so musste nach einer anderen Lösung gesucht werden. Die Michaelskapelle wurde 1424 erbaut und die Gebeine der Verstorbenen wurden nach einer Ruhezeit von zehn bis fünfzehn Jahren im Grab in das Beinhaus im Keller umgebettet. Durch diese Maßnahme standen wieder Gräber auf dem Friedhof zur Verfügung und die Toten ruhten – wie zur damaligen Zeit üblich – in der Nähe des Kirchenaltars.

Von knöchernen Soldaten und goldenen Schädeln

In den Jahren zwischen 1400 bis 1750 wurden die Gebeine von bis zu 20.000 Oppenheimern in der Michaelskapelle gelagert. Um auch hier Platz zu sparen, wurden die Knochen und Schädel ordentlich geschlichtet.

Einer Sage nach sollen sich ungeordnete Knochen am Tag, bevor der Dreißigjährige Krieg ausbrach, um Punkt Mitternacht erhoben und sich angeordnet haben. In Schlachtreihen kämpften die Skelette gegeneinander, bis mit der Geisterstunde auch der Spuk vorbei war. Krachend sollen die knöchernen Soldaten wieder in sich zusammengesunken sein.

Nicht ganz so gruselig ist die Geschichte rund um den goldenen Schädel, der inmitten der Knochen liegt. Studenten platzierten diesen für ihre Filmaufnahmen und ließen den Schädel – der übrigens ein menschlicher Knochen ist – im Beinhaus der Michaelskapelle.

Ausstellung der Renovierungsgeschichte und Öffnungszeiten

Noch heute werden in der Michaelskapelle kleinere Gottesdienste und Andachten gefeiert. Wer mehr über die Geschichte der erfolgreichen Renovierung wissen möchte, sollte die Ausstellung in der Kapelle besuchen.

Das Beinhaus selbst ist nicht öffentlich zugänglich, lässt sich aber durch Gitterstäbe von außen besichtigen. Während der Öffnungszeiten der Kirche (täglich von 8 bis 17 bzw. 18 Uhr) finden auch Führungen statt.

Adresse: Wo beindet sich die Michaelskapelle und das Beinhaus?

Katharinenstraße 1, 55276 Oppenheim

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